Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Entwicklung der Vorderladerwaffen und ihre Technik

Das Schwarzpulver

Was ist „Schwarzpulver“?

Wer erfand das Schwarzpulver?

Herstellung von Schwarzpulver

Verwendung zum Vorderladerschießen

Die Vorderlader

Das Handrohr

Das Luntenschloss

Das Radschloss

Das Steinschloss

Das Schnappschloss

Das Miqueletschloss

Das französische Schloss

Das Duell

Das Perkussionsschloss

Die Läufe

Die Geschosse

Vorderlader im heutigen Schießsport

Quellenverzeichnis



Text und Bilder: Bernd Müller
Stand: 27.12.2010,       zuletzt redaktionell überarbeitet:  02.08.2018

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Geschichtliche Entwicklung der Vorderladerwaffen und ihre Technik

Schon immer hatten Waffen für die Menschen eine besondere Bedeutung. Von Natur aus nicht nur ein Pflanzenesser, war der Mensch von Anfang an darauf angewiesen, Beute im Tierreich machen zu müssen. Ohne Waffen war dies fast nicht möglich. An Schnelligkeit und Kraft vielen Beutetieren unterlegen und dazu noch mit unzureichenden natürlichen Waffen wie Krallen oder Zähnen ausgerüstet, war es eine Frage des Überlebens und auch der Arterhaltung, sich entsprechender Werkzeugen zu bedienen. Dies waren anfangs noch recht primitive Mittel wie Steine oder Knüppel. Deshalb suchte der Mensch ständig nach Möglichkeiten, seine Defizite auszugleichen. Konnte er sein Beutetier mangels Geschwindigkeit nicht fangen und mit einem Stein erschlagen, so fand er bald einen Weg, den Stein zu schleudern und vervollkommnete diese Technik dann mit technischen Hilfsmitteln. Er erfand Steinschleudern, die es nicht nur erlaubten, dem Stein eine noch höhere Geschwindigkeit und damit eine größere Energie zu verleihen, sie vergrößerten auch die Wurfweite. Er musste sich nicht mehr so nahe an das Tier anschleichen, um es zu erlegen.

Er erfand Wurfspeere und schließlich auch den Bogen und Pfeile, die auf eine noch größere Distanz eine höhere Treffsicherheit ermöglichten. Doch damit war er aber auch an einer technologischen Grenze angelangt, die er über einige tausend Jahre hinweg nicht mehr überwinden konnte. Es erfolgten nur noch Optimierungen an Material und Design, die weitere Steigerungen an Geschwindigkeit, Energie und Treffsicherheit brachten und seine Überlebenschancen weiter verbesserten. Auch als er die Federkraft des hölzernen Bogens, die eine natürliche Grenze in der Muskelkraft des Jägers hatte, dadurch erhöhen konnte, dass er die Armbrust erfand, bei der ein stärkerer Bogen aus Holz oder später aus Stahl mit Hilfe eines Hebels gespannt und die Energie bis zum Schuss gespeichert werden konnte, war es dennoch nur die Muskelkraft des Menschen, welche die Energie zunächst aufbringen musste.

Dieser technologische Sprung weg von der eigenen Kraft gelang erst, als der Mensch lernte, sich die in bestimmten Stoffen gespeicherte chemische Energie zunutze zu machen. Das Feuer war immer schon bekannt und auch die unterschiedliche Brennbarkeit der bekannten Stoffe. Doch wie war es möglich, die Energie des Feuers in Bewegungsenergie umzuwandeln? Und welche Stoffe waren dafür geeignet?

Das Schwarzpulver

Wer das „Schwarzpulver“ wirklich erfand, wird man wohl nicht mehr ermitteln können. Es gibt zwar viele Geschichten und Legenden über dieses Pulver, das wie kein anderes Geschichte machte, aber gesicherte Quellen darüber aus der Zeit, in der es erfunden wurde, gibt es kaum. Auch Recherchen über das Internet führen meist nur zu Ausführungen, die irgendwo aufgenommen und abgeschrieben wurden, ohne wirklich verwertbare Nachweise zu nennen. So sind auch die folgenden Zeilen als Ergebnis von Recherchen zu werten, die mit einer gewissen Unsicherheit verbunden sind, zumindest soweit die Herkunft des Schwarzpulvers angesprochen ist. Eine der guten Quelle dazu ist Ullrich Bretscher’s black powder page.1 Diese und weitere Quellen sind im Quellenverzeichnis angegeben.

Was ist „Schwarzpulver“?

Der Begriff „Schwarzpulver“ entstand erst in einer Zeit, als eine Unterscheidung verschiedener Schießpulver notwendig wurde. Als zum Ende des 19. Jahrhunderts andere chemische Stoffe als verwendbar zum Schießen mit Feuerwaffen gefunden wurden, z.B. Nitropulver, das damals zur Unterscheidung entsprechend „Weißpulver“ genannt wurde, war diese begriffliche Trennung notwendig. So gab einfach die Farbe des „alten“ Schießpulvers den Ausschlag für die weitere Benennung. Der Name kommt also mit Sicherheit nicht von dem oft genannten Franziskanermönch Berthold Schwarz, der im 14. Jahrhundert alchemistische Versuche machte.

Doch was ist denn nun Schwarzpulver?

Schwarzpulver besteht meist aus einer Mischung von ca. 75 (Gewichts-)Prozent Kaliumnitrat, auch Salpeter genannt, ca. 15 Prozent Holzkohle und ca. 10 Prozent Schwefel.

Die chemische Reaktion ist dabei, wenn es entzündet wird, (vereinfacht) wie folgt:

16C + 4S + 10KNO3 ----> 15CO + K2CO3 + 4K2SO3 + 5N2
(Unter dem Einfluss weiterer Inhaltsstoffe und der Restfeuchtigkeit in der Holzkohle entstehen weitere Verbrennungsprodukte und Wasserdampf, auf die hier aber nicht eingegangen werden soll).

Von der oben genannten (Standard-) Zusammensetzung wurde und wird aber häufig abgewichen. In Meyers Konversationslexikon von 1888 liest man für Schießpulver (man sprach damals noch nicht von „Schwarzpulver“) z.B. folgendes:

„Nach dem stöchiometrischen Verhältnis, welches auf die Molekulargewichte der drei Stoffe basiert ist, sollte das Mischungsverhältnis des Schießpulvers 73,9 Salpeter, 14,6 Kohle und 11,5 Schwefel sein, ist aber in Deutschland M/71 (1883) zu 76 Salpeter, 15 Kohle (30 proz.), 9 Schwefel; in Österreich zu 74 Salpeter, 16 Kohle und 10 Schwefel; in England und Rußland für Gewehrpulver zu 75 Salpeter, 15 Kohle, 10 Schwefel; in Frankreich für Kriegspulver und in Nordamerika zu 75 Salpeter, 12,5 Kohle und 12,5 Schwefel angenommen worden. Dem Jagdpulver gibt man unter Verwendung von Rotkohle in der Regel mehr Salpeter, ebenso in neuerer Zeit zur Erhöhung der Sprengkraft dem Sprengpulver.“
(Anmerkung: "Rotkohle", an anderen Stellen auch "Braunkohle" genannt, entsteht bei einer Verkohlung von Holz zwischen 260°C und 340°C. Bei höheren Temperaturen wird die Holzkohle schwarz.)

Der wesentliche Stoff für die Verbrennung ist der Salpeter, der den Sauerstoff dafür liefert. Ohne ihn geht gar nichts. Für die Qualität des Pulvers ist jedoch mehr die Art und Herstellung der Holzkohle verantwortlich. In Versuchen wurde gefunden, dass z.B. mit Holzkohle aus Weide und Balsa, aber auch aus Birke, Haselnuss und Linde Schwarzpulver mit der höchsten Mündungsenergie aus Vorderladergewehren erreicht werden konnten.1 Teilweise wurde und wird auch Holz von Faulbeerbaum, Erle, Hanf oder Rebenholz verwendet. Von hoher Bedeutung für die Qualität sind dabei die nach der Verkohlung des Holzes zurückbleibenden Anteile an Wasserstoff und Sauerstoff in der Holzkohle.

Schwefel ist für die erreichbare Mündungsenergie gar nicht so wichtig. Er erhöht das Schwadenvolumen und ist auch entscheidend für die leichtere Entzündbarkeit des Pulvers, was besonders in der Steinschlossära wichtig war. Aber das ist ein Thema für die folgenden Kapitel.

Der Schwefel bringt nicht nur Vorteile. Er sensibilisiert und senkt zwar die Entzündungstemperatur des Pulvers, ist aber auch für den charakteristischen weißen Pulverdampf verantwortlich. Ohne Schwefel verbrennt Schwarzpulver relativ raucharm, weshalb die Schweizer Festungsartillerie zum Ende des 19. Jahrhunderts Versuche mit  schwefelfreiem oder schwefelarmem Schwarzpulver für ihre neuen Hinterladekanonen machten. Der Pulverdampf von "normalem" Schwarzpulver hat den Kanonieren nämlich so die Sicht vernebelt, dass der Vorteil ihrer neuen, wesentlich schneller feuernden Kanonen damit fast zunichte gemacht wurde.

Nachfolgend eine Tabelle2 mit weiteren Eigenschaften des Schwarzpulvers im Vergleich zum Zellulosenitrat („Nitropulver“, auch Nitrozellulose oder Schießbaumwolle genannt):

Chemische Zusammensetzung
Schwarzpulver Zellulosenitrat
Sprengkräftige Bestandteile Kaliumnitrat   KNO3,
selten Natriumnitrat   NaNO3
C6H7O11N3
Weitere Bestandteile Sensibilisierer: Schwefel
Brennstoff: Holzkohle
keine
Physikalische Eigenschaften

Dichte g/cm³ Ca. 0,90 bis 1,5 ca. 1,23 (abhängig vom Nitrierungsgrad)
Explosionsenergie J/g ca. 2700 3500
Schwadenvolumen l/g 0,26 - 0,34 0,9 – 0,97
Explosions- bzw. Detonations-
geschwindigkeit  m/s
500 bis 600 6300 m/s
Explosionstemperatur °C Ca. 2400 2500 - 3000
Zündtemperatur °C ab ca. 130, je nach Schwefelanteil
170
Feste Rückstände Ca. 60% Ca. 1%

Explosionsdruck von Schwarzpulver

Es wird immer wieder über den bei der Verbrennung von Schwarzpulver möglichen Explosionsdruck diskutiert. In Fachkundelehrgängen wurde z.B. auch schon behauptet, dass mit Schwarzpulver nur ein Maximaldruck von 1000 bar möglich wäre.

Das ist nicht korrekt und führt möglicherweise bei dem Einen oder Anderen zu einer gefährlichen Unterschätzung von Schwarzpulver! Deshalb soll an dieser Stelle explizit darauf eingegangen werden.

 Bei der Verbrennung von flüssigen oder festen Stoffen entstehen durch die Verbindung mit Sauerstoff Verbrennungsgase (hauptsächlich Kohlendioxid und Stickstoff), die unter normalen Bedingungen ein sehr viel größeres Volumen einnehmen als die Brennstoffe, aus denen sie entstanden sind. Da die Verbrennung zudem unter hohen Temperaturen abläuft, dehnen sich die Gase noch viel mehr aus.

Lässt man die Verbrennung nun in einem abgeschlossenen Raum stattfinden, entsteht ein Druck, der umso höher ist, je kleiner der verfügbare Raum ist,  je mehr Gase entstehen können und je höher die Verbrennungstemperatur ist. Bei Schießpulver ist der verfügbare Verbrennungsraum in der Patrone, bei Vorderladern in der Pulverkammer nach vorne vom Geschoss verschlossen.

Nun haben verschiedene Schwarzpulversorten, bedingt durch unterschiedliche Zusammensetzungen mit Salpeter, Schwefel und Holzkohle und auch durch verschiedene Herstellverfahren unterschiedliche Ladedichten. So hat z.B. das amerikanische Goex FFFG Pulver eine Ladedichte von 0,97 g/cm3, während das derzeit unter deutschen Vorderladerschützen beliebte Schweizer Schwarzpulver Nr.2 auf eine Ladedichte von 1,08 g/cm3 kommt.

Der französische Chemiker Sarrau (1837 – 1904) entwickelte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Berechnungsverfahren und Tabellen, nach denen die Maximaldrücke von Schwarzpulver verschiedener Ladedichten ermittelt werden können.

Demnach erreicht Schwarzpulver mit der Ladedichte von 0,97 einen maximalen Druck von ca. 6000 bar! Das Schweizer Schwarzpulver mit der Ladedichte von 1,08 kommt sogar auf 7300 bar!

Dieser Druck ist im späten 19. Jahrhundert durch Versuche mit einem Druckzylinder bestätigt worden, in dem ein beweglicher Bolzen (Kolben) durch die Explosion einer bestimmten Menge Schwarzpulver in eine Bleiplatte gedrückt wird. Diese Verformung wurde dann ausgemessen und die dafür erforderliche Energie berechnet. Auch hier wurde ein Druck von 6000 bar ermittelt. Dokumentiert ist dies in Meyers Konversationslexikon von 1888.

Natürlich werden beim Vorderladerschießen mit Schwarzpulver solche Drücke nicht erreicht, sie würden auch die Läufe sprengen! Der Grund liegt jedoch darin, dass bei Schuss der Verbrennungsraum nicht konstant ist. Die Vorderladerkugel, die beim Laden mit relativ geringer Kraft durch den Lauf auf die Pulverladung geschoben wird, bietet auch nur eine geringe Verdämmung und setzt sich schon zu Beginn des Verbrennungsvorgangs in Bewegung. Damit vergrößert sie den Brennraum kontinuierlich und lässt somit den Druck im Lauf nicht so hoch werden. Möglicherweise werden so beim SCHUSS die Anfangs erwähnten 1000 bar nicht überschritten. Dies darf allerdings nicht mit dem Maximaldruck, den Schwarzpulver erreichen kann, verwechselt werden.

Das gilt aber nur, wenn die Waffe ordnungsgemäß geladen wurde und sich die Kugel wirklich in Bewegung setzen kann. Deshalb muss hier gleich eine Warnung erfolgen:

  • ·         Verwende beim Schießen grundsätzlich nur Waffen, die von einer zuständigen Behörde amtlich beschossen wurden.
  • ·         Verwende nur eine zulässige Ladung Schwarzpulver und ein geeignetes, passendes Geschoss. Schwerere Geschosse oder gar Doppelladungen erhöhen durch zusätzliche Verdämmung und höhere Massenträgheit den Druck gefährlich in der Waffe.
  •           Verwende auf gar keinen Fall Nitropulver in Vorderladern! Diese Waffen sind für die dabei entstehenden Drücke nicht ausgelegt. Waffensprengungen sind die fast sichere Folge!
  • ·         Versuche nie, ein im Lauf stecken gebliebenes oder nicht vollständig auf die Ladung gesetztes Geschoss vollends „herauszuschießen“. Hier entstehen Stoßwellen, die einen zusätzlichen Druck zum Explosionsdruck aufbauen, bevor sich das Geschoss in Bewegung setzen kann!

Durch Änderung des Salpeteranteils (KNO3) kann man unter anderem die Charakteristik des Schwarzpulverabbrands steuern. Eine Erhöhung macht das Pulver offensiver (es entstehen weniger, dafür heißere Gase), eine Absenkung progressiver (mehr Gase, dafür geringere Temperatur). Zum Sprengen in (Marmor-)Steinbrüchen verwendet man deshalb Schwarzpulver mit nur 60% Salpeter und entsprechend mehr Holzkohle und Schwefel, um das wertvolle Gestein nicht zu zertrümmern. Ob man den Salpeteranteil jedoch erhöht oder verringert, beides führt zu einem niedrigeren Energiegehalt des Schwarzpulvers. Das Energieoptimum erreicht man nur beim „normalen“ (stöchiometrischen) Verhältnis der drei Komponenten Salpeter, Holzkohle und Schwefel.

Interessant ist hierzu eine Stelle aus dem "Feuerwerkbuch", das 1432 in Freiburg von einem unbekannten Verfasser geschrieben und von Heinrich Steiner 1529 in Augsburg gedruckt worden ist. Das Werk wurde von Professor Ferdinand Nibler ins Neuhochdeutsche übersetzt.3 Ich gebe daraus einen Abschnitt wieder, der sehr schön die damaligen Kenntnisse über die Wirkung der chemischen Elemente wiedergibt:

"Die andere  Frage ist, ob Salpeter oder Schwefel die Kraft habe, den Stein (= Geschoss) zu treiben.
Dazu sage ich: Sie beide! Denn wenn das Pulver gezündet wird in der Büchse, so ist
der Schwefel so hitzig und der Salpeter so kalt, dass die Kälte die Hitze nicht leiden
mag noch die Hitze die Kälte. Denn Kälte und Hitze sind zwei gegensätzliche Dinge,
so dass jedwedes von ihnen das andere nicht leiden mag, und ist doch das eine nicht ohne
das andere nützlich zum Pulver."

Quellen:
[1] www.musketeer.ch/blackpowder/charcoal.html
[2] Wikipedia, und Kneubuehl, Beat P., Geschosse,Motorbuch Verlag Stuttgart, 2.Aufl. 1998)
[3] http://www.feuerwerkbuch.homepage.t-online.de/downloads/FWB_neu.pdf
[4] Meyers Konversationslexikon 1888

Wer erfand das Schwarzpulver?

Konstantin Anklitzen, alias Berthold Schwarz, alias Niger Berchtoldus (sein lateinischer Name), war’s wohl nicht! Wer dann? Häufig wird behauptet, die Chinesen hätten das Schwarzpulver erfunden. Dafür gibt es sprachliche Argumente: Bei den Persern heißt der Salpeter als elementarer Bestandteil des Schwarzpulvers „Nemek Tschini“ (Chinesisches Salz), bei den Arabern Thely Sini (Chinesischer Schnee), was ein Indiz für die Herkunft des Wissens über diesen Stoff sein könnte.1 Wann, in welchem Jahrhundert, die Begriffe allerdings entstanden sind, ist unbekannt. Zudem wird in chinesischen Schriften von Ty-lai (der irdische Donner) und Leho-yas (verzehrendes Feuer) und einer „Kanone“ (Ho-pao) aus Bambusrohr mit einem Durchmesser von ca. 24 cm berichtet, die zur Verstärkung mit Hanfseilen umwickelt war und Steine oder „Feuerkugeln“ auf Feinde geschleudert haben soll. Solche Kanonen sollen in der Taing-off Dynastie (600 v. Chr.) verwendet worden sein. Zumindest diese Aussagen scheinen aber fraglich, denn bei diesem Kaliber und dem entsprechenden Gewicht der Steine würde es ein Bambusrohr wohl zerreißen. Sicherer sind dagegen Berichte aus dem Jahre 1232, nach denen Chinesen Steine mit einem Pulver aus "Feuermaschinen"  gegen in das Land einbrechende Mongolenstämme geschossen haben sollen. Über das Pulver selbst ist nichts berichtet.

Ullrich Bretscher1 widerlegt deshalb die Behauptung, dass die Chinesen die Erfinder des Schwarzpulvers sind. Es gibt nach seinen Recherchen keine nachprüfbaren chinesischen Originalschriften, die die Existenz oder auch nur Kenntnis von Salpeter oder Schwarzpulver belegen, zudem sind chinesische Schriftzeichen (=Bildzeichen) ohne einen entsprechenden Kontext oft mehrdeutig auslegbar.

Auch die Araber werden häufig als Erfinder genannt. Ein Grund dafür könnte die schon im 7.Jahrhundert nachgewiesene Beschäftigung mit der Chemie von Stoffen sein, was im christlichen Abendland durch die Kirche streng verboten war und nicht selten mit dem Tode bestraft wurde. Nach damaliger kirchlicher Lehre hat Gott alle Stoffe geschaffen und der Mensch lästerte Gott oder war mit dem Teufel im Bunde, wenn er dasselbe versuchte. Dies verschaffte arabischen Gelehrten einen großen Wissensvorsprung, den europäische Gelehrte später durch Studium ihrer Schriften nachzuvollziehen suchten. Wenn sie dann selber über Versuche o.ä. etwas veröffentlichten, dann meist nur unter einem Pseudonym, um der Verfolgung durch die Inquisition entgehen zu können.

Die erste europäische Erwähnung von Schwarzpulver und Salpeter findet sich in Schriften über chemische Rezepturen des Marcus Graecus (Markus der Grieche), die nach Meinung von Experten zwischen 800 und 1000 nach Christus erschienen und danach mehrfach handschriftlich kopiert worden sind. Wie sein richtiger oder vollständiger Name war, weiß man nicht. Das Problem dabei: Es gab noch keinen Buchdruck und bei den wiederholten Abschriften wurden offenbar immer wieder neue Rezepte hinzugefügt oder alte verändert, so dass eine Datierung oder eindeutige Zuordnung kaum möglich ist. Jedenfalls werden Rezepte für ein „durch die Luft fliegendes Feuer“ oder zum „Donner machen“ in verschiedener Zusammensetzung dokumentiert unter Verwendung von sal petrosus (Salz vom Stein = Salpeter), Kolophonium, Holzkohle und Schwefel. Darunter tatsächlich auch in explosionsfähiger Mischung. Ob Markus Graecus diese Kenntnisse aber selbst gewonnen oder ebenfalls abgeschrieben hat, ist nicht gesichert.

Als weiterer Erfinder wird häufig Roger Bacon (1214-1292) aus Illchester, England, genannt, der als erster ein exakt datierbares Schwarzpulverrezept geschrieben hat – allerdings mit dem Hinweis, dass„…überall bekannt ist, dass … mit diesem Donner böse Nachtbuben schlafende Bürger erschrecken“. Somit kann auch er nicht der Erfinder sein. Außerdem ist die explosive Wirkung nach seinem Rezept nicht besonders groß.² 

Die Frage nach dem Erfinder des Schwarzpulvers ist somit letztendlich bis heute nicht sicher zu beantworten.

1  www.musketeer.ch/blackpowder/charcoal.html
2  J.Schön: Geschichte der Handfeuerwaffen, Verlagsbuchhandlung Rudolf Kuntze,Dresden, 1858

 

 

Sehr früh schon suchte man nach Möglichkeiten, die Qualität des Schießpulvers zu testen. Dies war auch notwendig, denn die Wirkung des Pulvers konnte durch schlechte oder verunreinigte Bestandteile sehr unterschiedlich sein. Meist verwendete man für kleine Korngrößen eine pistolenähnliche Konstruktion, mit der der Druck einer bestimmten Pulverladung gemessen werden konnte. Man verschloss den kurzen "Lauf" der Pistole mit einem Deckel, der mit einer Feder angedrückt war. Beim Zünden der genau abgewogenen Pulvermenge drehte der Deckel dann entsprechend dem Druck der Pulvergase gegen den Federdruck um einen bestimmten Winkel weg und wurde an seiner maximalen Auslenkung arretiert. An diesem Winkel wurde dann die Güte des Pulvers abgelesen.

 

 


Verwendung zum Vorderladerschießen

Heutige Schwarzpulversorten für das Vorderladerschießen haben Korngrößen zwischen etwa 0,2mm und 1,7mm, zur Verwendung je nach Kaliber und Lauflänge. Als Zündkraut für Steinschlosswaffen verwendet man meist Korngrößen um 0,3mm oder kleiner.

 ACHTUNG:  
 Grundsätzlich darf in Vorderladerwaffen ausschließlich nur amtlich zugelassenes Schwarzpulver (erkenntlich an der BAM-Nummer) verwendet werden. Nitropulver kann zu Laufsprengungen und schwersten Verletzungen führen!
   Halte Dich stets an die vorgeschriebene minimale und maximale Pulverladung.
   Beachte stets die einschlägigen Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Schwarzpulver.

Diese Warnungen hat jeder Vorderladerschütze bei seinem Sachkundelehrgang gelernt. Sie müssen unbedingt beachtet werden.

Die wesentlichen Nachteile des Schwarzpulvers liegen vorrangig darin, dass bei der Verbrennung feste Rückstände entstehen. Das sind die Salze Kaliumkarbonat (K2CO3), Kaliumsulfat (K2SO4), Kaliumsulfid (K2S) und Kaliumpolysulfide (K2Sn). Bis auf das Kaliumkarbonat haben alle Schwefel als molekularen Bestandteil. Dieser ist es dann auch, der in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit als Schwefelwasserstoff den typischen Geruch des Pulverdampfs verursacht.

Diese oben genannten Salze sind in Öl unlöslich, weshalb eine Reinigung von Vorderladerwaffen mit den sonst üblichen Sprühölen wenig Erfolg bringt. Das Beste ist immer noch warmes oder besser heißes Wasser mit etwas Spülmittel. Das wiederum erfordert dann aber auch zwingend ein gutes Nachtrocknen und Ölen, um Rost zu vermeiden. Heißes Wasser hat den Vorteil, dass es an unzugänglichen Stellen, die beim Trockenwischen schlecht erreichbar sind, rasch verdunstet.

Der Schwarzpulverrückstand selbst wirkt durch die Anwesenheit des basisch reagierenden Salzes Kaliumcarbonat eher rosthemmend. Eine ungereinigt weggeschlossene Vorderladerwaffe in einer trockenen Umgebung ist deshalb weit weniger rostgefährdet als eine schlecht gereinigte und unzureichend getrocknete.


Die Entwicklung der Feuerwaffen


Die Erfindung des Schwarzpulvers ermöglichte erst die Entstehung von Feuerwaffen. Aber es war zunächst eben nur die Erkenntnis einer neuen Energiequelle. Zuerst mussten noch die technischen Voraussetzungen zur Anwendung dieser neuen Energie gefunden werden, nämlich eine Vorrichtung, um Geschosse wie Steine, Pfeile oder ähnliches gezielt schleudern zu können. Die älteste Abbildung finden wir in Handschriften aus demJahre 1326 / 1327 von Walter de Millimete, der in dieser Zeit Kaplan des Königs von England und Wales, Eduards III.  war. Ob er allerdings eine solche „Feuerwaffe“ jemals selbst gesehen oder nur von ihr gehört hatte, sei angesichts seiner zeichnerischen Darstellung dahingestellt.

Im gleichen Jahr  erschien auch ein Bericht in Italien, in welchem berichtet wurde, dass der Stadtrat von Florenz eiserne Pfeile oder Kugeln, sowie Läufe aus Metall (Bronze) zum Verschießen dieser Geschosse herstellen ließ. 1

Dieses Wissen um die Anwendung von Schießpulver verbreitete sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte schnell über ganz Europa. Es gibt Dokumente, nach denen die Stadt Perguia um 1364  fünfhundert „Büchsen“ herstellen ließ, die eine „Spanne“ lang waren. In Regensburg meldete der Zeugschmied  Leonhard Weiter im Jahre 1379:

„Dem Kammerer hab ich eingeantwortet (=abgeliefert) 11 Büchsen, die in Holz verrichtet sind und mit Eisen beschlagen, die wägen zusammen 120 lb (=Pfund), und das dazugehörige Pulver, Eisenkugel und Schlüssel.“ 2

Aus Nürnberg wird im Jahr 1388 berichtet, dass man 48 Leute habe, die mit Büchsen gut schießen könnten und weiteres mehr.

Bei all diesen "Büchsen" muss es sich um Geschütze oder Handrohre gehandelt haben, siehe dazu die folgenden Kapitel.

 

Quellen:

[1]  Jan Durdik, Miroslav Mudra, Miroslav Sada: Alte Handfeuerwaffen, Verlag Dausien,1980                                                    [2]  Dirk Götschmann: Die Kuchenreuter und ihre Zunftgenossen, Mittelbayr. Druck-undVerlagsanstalt, 1995                     
[3]  Georg Ortenburg: Waffen der Landsknechte, Bechtermünz-Verlag, 1984

 


Die Vorderlader

Zunächst sollen hier einige Begriffe geklärt werden.

Es wurde bereits über „Büchsen“ gesprochen. Dieser Begriff hatte im Laufe der Zeit verschiedene Bedeutungen:  Zu Beginn der Feuerwaffenära wurden allgemein die Geschütze damit bezeichnet, später dann auch die Handrohre. Seit der Erfindung gezogener Läufe wird der Begriff „Büchse“ nur noch für Gewehre mit gezogenen Läufen verwendet.

Handrohre waren kurze, hinten verschlossene Rohre, die zur besseren Handhabung auf eine kurze Stange gesteckt und meist von einem, bei schwereren Rohren auch von zwei Männern gehalten und bedient wurden.

Ein Gewehr war zunächst alles, mit dem sich ein Soldat schützen und wehren konnte. Dazu gehörten die Trutzwaffen wie Feuer-, Hieb- und Stichwaffengenauso wie die Schutzwaffen (Rüstungen, Schilde). Erst im 17. Jahrhundert wurde der Begriff auf langläufige Schusswaffen beschränkt.

Es gab Wallbüchsen oder auch Hakenbüchsen,die zur Verteidigung von Burgen oder Festungen wegen ihrer großen Kaliber bis zu 20 Pfund wogen und deshalb auf einer Mauer („Wall“) aufgelegt geschossen wurden. Zur Abstützung des starken Rückschlags waren sie unter dem Lauf oder am Schaft mit einem Haken versehen. Man sprach je nach Kalibergröße und damit auch Gewicht der Waffen von halben, ganzen oder Doppelhaken.

Arkebusen waren die glattläufigen Luntenschlossgewehre der Landsknechte im 16. Jahrhundert. Sie waren Weiterentwicklungen der Hakenbüchsen und wurden wegen ihres Gewichts meist auf einer Gabel aufgestützt, die der Soldat – oder Arkebusier – immer mit sich herumschleppen musste.

Die Musketen  entstanden gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus den Arkebusen und wurden verwendet bis zur Einführung der Perkussionszündung im 19. Jahrhundert. Es waren in der Regel glattläufige Steinschlosswaffen für die militärische Verwendung, die nach und nach leichter wurden. Der Begriff des Musketiers wurde in einigen Armeen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts meist für Elitesoldaten gebraucht.

Es gab Entwicklungen und Versuche in den verschiedensten Richtungen. Viele waren nicht sehr langlebig. Zum Beispiel gab es Situationen, bei denen eine größere Streuung der Geschosse durchaus erwünscht war. So bei der Verteidigung gegen mehrere Gegner auf kurze Distanz oder auch bei der Jagd, hier aber wieder auf größere Distanzen. dazu verwendete man Schrotkugeln in unterschiedlichen Kalibern. Bei der Verteidigung suchte man die Streuung der Schrotkugeln dadurch zu vergrößern, dass man die Mündung trichterförmig aufweitete. Man nannte diese meist kurzen Gewehre dann Tromblone, in Wildwestfilmen heute auch als Kutscherflinten bekannt.

Die oben genannten Begriffe wurden hauptsächlich im militärischen Sprachgebrauch verwendet. Im zivilen (jagdlichen oder sportlichen) Bereich sprach man vom 17. Jahrhundert an nach der Art des Zündschlosses bei glattläufigen Gewehren von Flinten und bei Radschlossen und allgemein bei gezogenen Läufen von Büchsen. Vorher, zur Zeit der Luntenschlosse,waren die Feuerwaffen den Jägern im Gelände meist zu unhandlich und zu schwer.Sie verwendeten bis dahin lieber die Armbrust, mit der die Treffsicherheit auch wesentlich höher war.

Heute unterscheidet man allgemein zwischen Hand- und Faustfeuerwaffen. Von Handfeuerwaffen spricht man, wenn die Waffe von einem Mann getragen und bedient werden kann, im Allgemeinen wird der Begriff für Gewehre verwendet. Faustfeuerwaffen sind dagegen Waffen, die in einer Hand verwendet werden können, in der Regel also Pistolen und Revolver. Diese Begriffe wurden aber erst im 20. Jhdt. geprägt.

Alle diese Begriffe sind jedoch nur grobe Einteilungen. Detaillierungen erfolgen bei Vorderladern über das jeweilige Zündsystem, das eine zentrale Bedeutung für jede Schusswaffe hat und auch den jeweiligen Stand der Technik und somit den Fortschritt repräsentiert.

Die Rohre, oder im heutigen, hauptsächlich zivilen Sprachgebrauch die Läufe, haben sich im Laufe der Jahrhunderte nur wenig verändert. Die Kaliber wurden kleiner, damit auch die erforderlichen Wandstärken und das Gewicht der Waffen. Sie wurden kürzer und ab etwa 1500 teilweise gezogen. Die Qualität des Eisens und der Herstellung der Rohre verbesserte sich aber erst gravierend mit den weiter entwickelten Erkenntnissen der Chemie und Metallurgie, sowie mit der Erfindung von Werkzeugmaschinen und neuer Energiequellen (Dampfmaschinen) im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Dies ging aber auch schon einher mit der Erfindung der Hinterladerwaffen.

Die Schäfte änderten sich ebenfalls ab dem 16. Jahrhundert nur noch wenig. Sie wurden ergonomischer und unterlagen mehr modischen Strömungen als einem technologischen Fortschritt. Die schon von Anfang an verwendeten Hölzer werden teilweise noch heute verwendet.

Was sich im Laufe der Zeit jedoch gravierend verändert hatte, waren die Schlosse der Feuerwaffen.

Die in das hinten verschlossene Rohr von vorne eingebrachte Pulverladung musste für den Schuss entzündet werden. Man fand über Jahrhunderte hinweg keine andere Lösung als das Rohr seitlich oder von oben anzubohren und so durch einen glühenden Docht, durch Zündfunken oder einen Feuerstrahl die Ladung zu entzünden. Ein glühender Draht wurde entgegen mancher Behauptung nie verwendet. Dies war schlichtweg nicht möglich, denn zum Einen hätte man dazu ja ständig Feuer bei sich haben müssen, um ihn zu erhitzen, zum Anderen wäre ein solcher Draht wohl nur mit Handschuhen verwendbar gewesen. Man nahm deshalb einen vorn geschlitzten Stock, in den man ein Stück Lunte einklemmte und diese mit der glühenden Spitze zum Zündloch führte.

Dies war nicht ganz einfach und es war für den Schützen auch nicht ungefährlich, wenn er einen glühenden Docht in die Pulverpfanne stieß oder die Nase zu dicht am Zündloch hatte, denn bei der Explosiondes Pulvers im Rohr schoss auch ein Feuerstrahl durch das Zündloch nach außen. So hielt man das Zündloch möglichst klein und versuchte, die Finger möglichstweg zu lassen und durch mechanische Vorrichtungen eine Zündung herbei zuführen.

Probleme regten immer schon den Erfindungsgeist im Menschen an und so wurde über 600 Jahre lang weltweit geforscht und getüftelt, optimiert und verbessert, um diese Zündung immer besser, schneller und sicherer zu machen.

Im Folgenden soll diese Entwicklung der Vorderladerschlosse chronologisch anhand von typischen Waffen der jeweiligen Epoche betrachtet werden.


Das Handrohr

Nach den ersten Versuchen mit den Vorläufern der Kanonen wollte man leichter handhabbare „Handfeuerwaffen“ schaffen. Das Gewicht musste dazu so reduziert werden, dass es von einem Mann getragen und auch abgefeuert werden konnte. Auf alten Gemälden kann man zum Teil recht gut erkennen, wie diese Handfeuerwaffen ausgesehen haben. Im Gemälde von Qinte Curce aus dem Jahre 1468 erkennt man  Ritter mit Handrohren bei der Belagerung einer Burg.

Diese Handrohre bestanden auseinem gegossenen eisernen oder bronzenen Rohr, in dem am hinteren Ende eine kurze Stange eingepasst war. DieseStange klemmte der Soldat unter den Arm und zündete die eingebrachte Pulverladung mit einem glimmenden Docht an einem Stock, den er in der anderen Hand hielt. Bei dem Ritter vorne links im Bild kann man das erkennen.

Bekannt wurden die Handrohre durch einen Fund auf der Burgruine Tannenberg in Hessen bei einer Ausgrabung im Jahre 1849. Dieses nach der Burg „Tannenberg“ genannte Rohr ist aus Bronze und hat somit die Zeit seit der Zerstörung der Burg im Jahre 1399 ineinem Brunnen überdauert. Es war sogar noch mit einer Bleikugel geladen, das Pulver ist nach dieser Zeit natürlich nicht mehr vorhanden. Im Deutschen Museum in Nürnberg kann man dieses Stück besichtigen.

In der sehr empfehlenswerten „UllrichBretscher’s Black Powder Page“ [1] findet sich eine sehr gute Beschreibung und Untersuchung dieses Handrohrs. Die hier gezeigten Bilder stammen von ihm. Er stellte eine „Tannenbergbüchse“ nachden Orginalmaßen her und schoss auf Metallplatten damit.

Interessanterweise hatten diese frühen Rohre schon eine „Pulverkammer“, eine kleinere Bohrung im hinteren Bereich des Rohrs, die zur Aufnahme der Pulverladung gedacht ist. Die Kugel saß damit nicht mehr direkt auf der Ladung und konnte die Kammer auch besser verschließen. Ein weiterer Effekt liegt darin, dass durch einen im Durchmesser kleineren, dafür längeren Pulverraum ein schnellerer Druckaufbau erfolgt und die Verbrennung konzentriert in Schussrichtung auf die Kugelmitte zu abläuft. Höhere Geschossgeschwindigkeiten und -energien sind damit möglich.







Das Kaliber von 17mm war schon etwa in der Größe der späteren Arkebusen und Musketen, wobei auch kürzere Handrohre gefunden wurden, die schon für die damalige Zeit sehr kleine Kaliber von 9 oder 10mm hatten. Wahrscheinlich wurden diese aber eher nicht militärisch eingesetzt.

Bretscher weist schließlich in eigenen Versuchen an Stahlblechen 2 auch nach, welche Durchschlagskraft mit solchen Rohren möglich war. Das Verblüffende: Die Durchschlagskraft war höher als bei einer 9mm Pistole! Solche Waffen waren tödlich für Ritter in ihren Rüstungen. Sie durchschlugen ihre Panzer und waren auch für einfaches Fußvolk geeignet. Langjährige Übung wie mit dem Bogen war nicht erforderlich.

Auch wenn die Handrohre noch keine Visierung hatten, war die Treffsicherheit auf 25m auf eine Mannscheibe doch sehr erstaunlich. Mit etwas Übung kann man selbst mit einer Waffe, die man unter dem Arm hält, ein recht gutes Gefühl für die Trefferlage bekommen. Aber beim Autofahren erleben wir das ja täglich: auch wenn man heute als Fahrer nicht mehr sehen kann, wo das Auto beginnt oder endet, kann man doch sehr gut in eine enge Parklücke einparken.

Aus diesem Grunde wurden diese Feuerwaffen von der Ritterschaft gefürchtet und als „unchristlich“ geächtet. Letztendlich führten die Handrohre und ihre Nachfolger, die Luntenschlosswaffen, dazu, dass Ritter in ihren schweren Panzerungen keinen Schutz mehr fanden und sie ihre militärische Bedeutung nach und nach verloren. Die Feuerwaffen  läuteten das Ende des Mittelalters ein.


Quellen:
[1] http://www.musketeer.ch/blackpowder/handgonne.html                                                                                                             [2] http://www.musketeer.ch/blackpowder/tabor_handgonne_e.html

 

Das Luntenschloss

Die umständliche Handhabung der Handrohre konnte auf Dauer nicht befriedigen. Mit der linken Hand das Rohr unter dem rechten Arm zu halten und dabei den nicht unerheblichen Rückstoß einer 17mm Kugel abzufangen, während die rechte Hand an einem Stock die Lunte an das Zündloch führte, dabei gleichzeitig mit dem Auge das Ziel erfassen und zusätzlich die Bewegung der rechten Hand zu kontrollieren soll, das war schon eine Herausforderung.

Abhilfe suchte man in einer mechanischen Vorrichtung, die eine Lunte durch Hebelwirkung gezielt auf eine „Pulverpfanne“ bringen konnte. Diese Vorrichtung wurde in einen Schaft, der den Haltestock der Handrohre ersetzte, eingepasst und machte damit die rechte Hand frei zum Halten der Waffe. Das Luntenschloss war erfunden.

Das Bild zeigt eine Skizze eines Luntenschlosses von der Innenseite, also der Seite, die im Schaft eingebettet ist. Es ist eine einfache, aber wirksame Mechanik, die beim Bewegen des Hebels (rechts unten im Bild) nach oben den Luntenhahn (oben imBild) schnell nach unten bewegt. Im geschlitzten Kopf wird mittels einer nicht abgebildeten Schraube eine Lunte eingespannt, die am unteren Ende angezündet wird.

Diese Lunten waren meist etwa 6mm dick, dicht aus Flachs oder Hanf geflochten. Die Aufgabe der Lunte war es,möglichst langsam aber stetig mit ausreichender Glut zu glimmen, um dem Musketier ein stets feuerbereites Gewehr zu ermöglichen. Es gab noch keine Streichhölzer damals und Feuer machen war umständlich und zeitraubend. So blieb den damaligen Soldaten nichts anderes übrig, als eine stets glimmende Lunte bereit zu haben, wenn sie z.B. in ein Gefecht zogen.

Um sparsam mit den Lunten umzugehen, hatte beim Marsch einer Gruppe Soldaten nur etwa jeder Zehnte bis Zwölfte seine Lunten brennen, bei Annäherung an den Feind steckten dann alle anderen schnell ihre Lunten an den glimmenden an. Der Luntenverbrauch in einer Truppe war doch recht hoch, eine Lunte brannte pro Stunde immerhin etwa 30 cm ab. Aus dieser Zeit stammt auch das bekannte Sprichwort „Lunte riechen“, da glimmende Lunten bei ungünstigemWind einen lauernden Feind oder Jäger durch den Brandgeruch verraten konnten.

Wer selber Lunten herstellen möchte, der sei wieder auf Bretschers Homepage 1 verwiesen.

Im Bild ist ein Luntenschloss mit einer Pulverpfanne und einem schwenkbaren Deckel zu sehen.

Luntenschlossgewehre kamen in der ersten Hälfte des 15.Jahrhunderts auf. Im Unterschied zum Handrohr bekamen sie einen Schaft, der dasHalten und Zielen erleichterte und den Lauf sowie das Schloss aufnahm. Der Schaft war zu dieser Zeit noch sehr kurz, er wurde an der Brust abgestützt oder unter den Arm geklemmt. Erst später kamen Visierungen dazu.

Während Handrohre nicht immer Pulverpfannen aufwiesen und das Zündloch nach oben gehalten werden musste, waren die Zündlöcher und Pfannen nun seitlich an den Läufen angebracht, in der Regel zum Schutz noch mit einem schwenkbaren oder verschiebbaren Deckel versehen. Dies war notwendig, nich tnur, um beim Tragen das in die Pfanne geschüttete Pulver nicht zu verlieren,sondern weil von der Lunte auch heiße Asche in die Pfanne fallen und den Schuss unbeabsichtigt auslösen konnte.

Auch bei den Luntenschlossen gab es verschiedene Entwicklungsstufen: das gewöhnliche Luntenschloss, bei dem die Lunte einfach über einen Hebel auf die Pulverpfanne gedrückt wurde, und das Luntenschnappschloss, bei dem der Luntenhahn nach dem Auslösen schnell in die Pfanne „schnappte“. Ermöglicht wurde dies durch verschiedene Konstruktionen, zum Einen durch Auslösen einer Feder, die auf den Luntenhahn wirkte oder durch eine Übersetzung, wie sie in der Zeichnung (Figur 2) ersichtlich ist. Dort wirkt die eingebaute Feder nur als Abzugswiderstand und Rückholfeder, die Übersetzung findet in derFührungskalotte statt.

Verwendet wurden die Luntenschloss-Arkebusen bis etwa zum Ende des 30-jährigen Krieges in Europa. Natürlich lassen sich solche Zeiträume nicht eng begrenzen, denn wer eine solche Waffe hatte, der verwendete sie auch noch, wenn Weiterentwicklungen schon längst verfügbar waren, schon aus Kostengründen. Denn wenn auch die damaligen Heere noch sehr klein waren, so war doch nie genug Geld da, für einen geplanten oder vorhersehbaren Feldzug einige tausend neue Waffen zu beschaffen. Oft reichte das Geld ja nicht einmal, die angeworbenen Söldner vertragsgemäß zu bezahlen. Aus diesem Grunde waren in den Heeren auch immer die verschiedensten Waffen im Einsatz, besonders in dieser Zeit. Denn zum Anfang des 17. Jahrhunderts musste jeder Söldner noch seine Waffe mitbringen und wurde seiner Bewaffnung und sonstigen Ausrüstung entsprechend eingestuft und bezahlt. Erst später rüstete der jeweilige Hauptmann oder der Regimentskommandeur seine Söldner selbst aus, die Kosten für seine Truppe stellte er dann dem Kriegsherrn in Rechnung. Meist wurde er mit einem Anteil der Beute nach einem Sieg dafür entschädigt.

 

1 http://www.musketeer.ch/blackpowder/lunte.html


Das Radschloss

Obwohl die Arkebusen mit ihren Luntenschlossen schon ganz brauchbare Waffen darstellten, die ein ruhigesZielen und erschütterungsfreies Schießen ermöglichten, gab es immer noch den Nachteil, dass ständig glimmende Lunten mitgeführt werden mussten. Beim Hantieren mit offenem Pulver, z.B. beim Aufschütten des Pulvers auf die Pulverpfanne war das eine Sache für sich. Bei Nacht sah man an den glimmenden Lunten schon von Weitem, wo der Feind stand. Außerdem war eine Lunte bei Regenwetter nur schwer am Glimmen zu halten. Bei Regen ging man mit einer Luntenschlossmuskete überhaupt am besten nach Hause und wartete auf besseres Wetter. Also suchte man weiter zu optimieren.

Die Erfindung des Radschlosses wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit in Deutschland gemacht, weshalb es auch als Deutsches Schloss bekannt wurde. In den Archiven der Städte Goslar und Braunschweig finden sich Rechnungen von Büchsenmachern und Schlossermeistern für "Feuerschlosse" und "Reibschlosse" aus dem Jahre 1447. Der Nürnberger Patrizier Martin Löffelholz fertigte 1505 die Zeichnung einesRadschlosses an. 1

Mit der Erfindung des Radschlosses war es nun endlich, gut hundert Jahre nach dem ersten Einsatz des Schießpulvers, möglich, das zur Zündung der Pulverladung notwendige Feuer erst dann zu erzeugen, wenn man es zum Schuss brauchte. Und erstmalig war es jetzt auch möglich, dass Reiter mit Erfolg Feuerwaffen einsetzen konnten. Zum Umgang mit Handrohren undLuntenschlosswaffen waren beide Hände notwendig, zum Lenken des Pferdes war  keine Hand mehr frei. Zudem sind keine Luntenschlosspistolen dokumentiert, die für Reiter brauchbar gewesen wären. 

Die Funktion der Radschlosse ist schon um einiges komplizierter, was sie im Verhältnis zu den bisherigenSystemen sehr teuer machte. Diese Kompliziertheit machte sie auch gegen Störungen empfindlicher. Radschlosswaffen fanden deshalb keine große Verbreitung im militärischen Bereich. Sie wurden fast ausschließlich in der Kavallerie oder in besonderen Einheiten, wie zum Beispiel in Leibwachen eingesetzt.

Miteinem speziellen Vierkantschlüssel wurde ein Reibrad, das über eine Kette miteiner Schenkelfeder verbunden ist, wie eine Uhr aufgezogen, bis es an einer Klinke einrastete. Dazu war nur eine halbe bis maximal eine dreiviertel Umdrehung erforderlich. Dieser Vierkantschlüssel musste aber extra mitgeführt werden. Teilweise war jedoch auch an der Pulverflasche, diedann sehr massiv ausgeführt war, eine entsprechende Vorrichtung so angebracht, damit man sie als Schlüssel verwenden konnte.

Das Reibrad bestand ausgehärtetem Stahl und war mit eingedrehten Rillen, teilweise auch mit Quernuten versehen. Es lief in einer Aussparung der Pulverpfanne, genau eingepasst, damit keine Pulverkörnchen in das Innere des Schlosses fallen konnten. Die Pulverpfanne wurde wieder mit einem drehbaren Deckel verschlossen. Bei den ganz frühen Reibschlossen musste dieser Deckel vor dem Schuss von Hand geöffnet werden, später war der Deckel gegen eine Federrast geschlossen und öffnete so vorgespannt beim Abziehen automatisch. Erst dieseÖffnungsvorrichtung machte die Radschlosse für Reiter verwendbar, da vorher dasPulver bei geöffneter Pfanne beim Reiten sicherlich verschüttet wurde.

Zum Schuss wurde der Hahn mit einem eingespannten Stück Schwefelkies auf den Deckel der Pulverpfanne gelegt, auf die er durch eine spezielle Hahnfeder kräftig aufgedrückt wurde. Beim Abziehen schnellte nun die Radfeder zurück und brachte das Reibrad in eine schnelle Rotation um eben diese halbe bzw. dreiviertel Umdrehung. Gleichzeitig wurde der Deckel der Pfanne weggedreht und der Hahn drückte den Schwefelkies kräftig auf das sich drehende Rad, das dabei Funken aus dem Stein riss und das Pulver in der Pfanne entzündete. Diese Stichflamme schlug in die seitlich im Lauf eingebrachte Bohrung und entzündete, wie schon früher auch beim Luntenschloss, die Hauptladung Pulver zum Schuss.

Durch die Reibung und auch durch die Quernuten des Reibrads (diese sind nicht grundsätzlich erforderlich)  werden dabei keine Funken aus dem Reibrad, sondern aus dem Schwefelkies gerissen. Schwefelkies (Pyrit, chemischeZusammensetzung: FeS2) ist schon seit der Frühzeit bekannt und wurde u.a. zum Feuermachen benutzt. Mit einem härteren Feuerstein schlug man dabei Funken aus dem Pyrit, die dann in Zunder fielen und diesen zum Glimmen brachte.

Die Erfindung des Radschlossprinzips hat die Jahrhunderte überdauert. Noch heute ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Feuerzeuge ein solches Reibrad, das mit dem Daumen angetrieben wird und aus einem „Feuerstein“ Funken reißt.

Neben dem großen Vorteil der ständigen Feuerbereitschaft gab es aber auch Nachteile. Die recht komplizierte Bauart neigte zu Störungen, die besonders in der harten militärischen Anwendung in schmutziger Umgebung zu Ausfällen führte. Der relativ weiche Schwefelkies nützte sich schnell ab und die Rillen des Reibradssetzten sich rasch zu, was Zündversager zur Folge hatte. Aus diesem Grunde wurde teilweise an Gewehren zusätzlich noch ein Luntenschloss als Reserve angebracht, was diese natürlich noch teurer machte. Das aufwändige Radschloss allein war schon sehr teuer: 4 ½ Gulden waren dafür zu bezahlen, ein komplettes Luntenschlossgewehr kostete dagegen nur 2 Gulden. 2 Aus diesem Grunde blieb die allgemeine militärische Anwendung auf die Reiterei und Eliteeinheiten, wie fürstliche Leibwachen beschränkt.

Im zivilen Bereich allerdings waren diese Waffen beliebt. Die Jäger schätzten den weichen Schlossgang, der eine erschütterungsfreie Schussentwicklung ermöglichte, die relative Unempfindlichkeit gegen feuchtes Wetter und vor allem, dass das Wild jetzt nicht mehr „Lunte riechen“ konnte. Es wurden wahre Schmuckstücke mit prachtvollen Verzierungen hergestellt, die als fürstliche Geschenke immer willkommen waren. Allerdings nutzten auch vor 500 Jahren schon Kriminelle den Vorteil, dass Radschlosspistolen verdeckt unter dem Mantel getragen werden konnten, was manche Städte in Italien z.B. dazu veranlasste, solche Waffen in der Stadt zu verbieten. 3

 In der Literatur und im Internet gibt es viele Beispiele für prachtvolle Radschlosswaffen. Wer sich dafür interessiert, der kann sich die im Quellenverzeichnis aufgeführten Beispiele ansehen.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pistole_mit_Radschloss_MKL1888.png
[2] GeorgOrtenburg: Waffen der Landsknechte, Bechtermünzverlag 1984
[3] HaroldL. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991

 

 

Das Steinschloss

Obwohl mit dem Radschloss nun schon ein gut funktionierendes System gefunden wurde, ging die Entwicklung und die Suche nach Verbesserungen weiter. Das Radschloss war zu teuer für große Infanteriemassen und es war zu empfindlich. Etwas einfacheres, jedoch mindestens genauso Wirkungsvolles musste gefunden werden.

Die Idee des Funkenschlagens mittels Feuerstein und Stahl war nicht neu, sie wurde bisher nur nicht für Feuerwaffen umgesetzt. Dies folgte jedoch jetzt sehr schnell, kurz nach der Einführung des Radschlosses und fast zeitgleich in verschiedenen Ländern Europas.

Das Schnappschloss


Das primitivste und erste dieser Steinschlösser war das Schnappschloss, es wurde wahrscheinlich in den Niederlanden vor 1500 entwickelt. Auch dieses Schloss saß nun, wie alle weiteren Entwicklungen in der Feuerwaffentechnik, geschützt in einer Aussparung des Schafts eingebettet. Der Unterschied zum Radschloss bestand darin, dass das Reibrad durch eine gehärtete, federnd wegklappbare Schlagfläche, die „Batterie“, ersetzt wurde. Das Schloss war sehr viel einfacher, mit viel weniger Teilen und größeren Toleranzen und deshalb auch wesentlich billiger herzustellen. Der Hahn wurde über eine Schlagfeder gespannt, die auf der Innenseite des Schlosses angebracht war. Er wurde in gespannter Stellung arretiert, indem sich ein Stift von innen durch das Schlossblech nach außen schob und den Hahn an einer speziellen Klinke festhielt. Im Bild ist diese Klinke und auch der vierkantige Stift an der Unterseite des Hahns zu erkennen.

Beim Abziehen zog sichdieser Stift zurück und ließ den Hahn nach vorne schnappen, wo er mit dem Feuerstein auf die Batterie traf. Diese klappte auf, dabei riss der Hahn in seiner Abwärtsbewegung Funken aus der Stahlfläche, die  auf die Pulverpfanne fielen und das Pulver entzündeten. Der Schiebedeckel auf der Pfanne musste vorher von Hand beiseite gedrückt werden.

Das oben eingefügte Bild zeigt ein Schnappschloss mit dem typischholländischen, runden Schild am Abschluss der Pulverpfanne in entspannterStellung.

Der Feuerstein ist ein äußerst hartes, quarzähnliches Kieselgestein, das schon in der Steinzeit für Waffen wie Messer, Beile, Speer-und Pfeilspitzen und Werkzeuge verwendet wurde. Man benutzte ihn auch immer schon zum Feuermachen. Er lässt sich gut spalten und bildet dann scharfe, spitzwinklige Kanten, was ihn für diese Schlosse sehr geeignet machte.

Holland war damals schon eine große Handelsmacht und bereiste im 16. Jhdt. mit seinen Schiffen die gesamte europäische Küste. Auf diese Weise wurden auch Schnappschlossgewehre überall hin verkauft und beeinflussten die Entwicklung ähnlicher und auch verbesserter Schlosse. So primitiv es auch war, es funktionierte, war unverwüstlich, leicht zu reparierenund wurde deshalb z.B. in Marokko noch bis 1885 hergestellt. 1 Auch in Schottland wurde dieses Schloss unverändert übernommen. Man baute es dort stilistisch leicht abgewandelt bis ins 19. JhdT.

 

[1] HaroldL. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991



Das Miqueletschloss

Ein ähnliches, jedoch verbessertes Schnappschloss entstand in Italien oder Spanie in der Zeit, das Miquelet-Schloss.Die genaue Herkunft ist nicht gesichert. Bei diesem Schloss war die Schlagfläche (Batterie) bereits mit dem Deckel der Pulverpfanne verbunden. Somit entfiel das gesonderte Wegklappen des Deckels vor dem Schuss, dieser öffnete sich beim Schlag des Hahns auf die Batterie nun selbständig. Eine weitere Vereinfachung wurde eingeführt: die Batteriefeder wurde verlängert, verstärkt und übernahm zusätzlich die Aufgabe der Schlagfeder.Die Hauptbestandteile des Schlosses lagen nun auf der Aussenseite des Schlossblechs, es bestand zudem aus weniger Einzelteilen.

Die Arretierung des Hahns erfolgte in gleicher Weise wie beim holländischen Schnappschloss durch einen Stift, der von innen durch das Schlossblech ragte. Allerdings gab es jetzt ein Sicherheitsproblem: Beim holländischen System konnte die Batterie aufgeklappt sein, wenn man dieWaffe nicht gebrauchen wollte. Der gesonderte Pfannendeckel hielt das Pulver sicher zurück. Ein gespannter und unbeabsichtigt ausgelöster Hahn schlug ins Leere. Beim Miquelet-Schloss musste die Batterie geschlossen sein, damit das Pulver nicht herausfiel und ein versehentlich ausgelöster  Hahn löste unweigerlich einen Schuss aus.Deshalb wurde die Sicherheitsrast (auch Laderast genannt) erfunden, die den Hahn durch einen weiteren Stift in halb gespannter Stellung festhielt.

Das Miqueletschloss war billig, unverwüstlich und funktionierte gut. Es blieb deshalb in Spanien in Gebrauch bis zur Einführung der Perkussionszündung. Allerdings verbreitete es sich hauptsächlich nur im Mittelmeerraum, in Italien, Arabien und der Türkei bis nach Indien.

Das französische Schloss

Es gab viele weitere Entwicklungen und Versuche, die Schnappschlosse zu verbessern. Die Verbesserungen erfolgten in Details und verfolgten Stil- und Geschmacksrichtungen der jeweiligen Völker in Nord- und Süd-, Ost- und Westeuropa. Vieles davon hat sich nicht bewährt und geriet wieder in Vergessenheit, manches blieb als Eigenheit lange bestehen. All diese Details sind jedoch mehr für Sammler interessant, sie hier aufzuführen würde den Rahmen dieser Übersicht bei weitem sprengen. Es soll deshalb nur noch auf die Vollendung des Steinschlosses in funktionaler und technischer Hinsicht eingegangen werden: das französische Steinschloss.

Über den Erfinder dieses Steinschlosses ist sich die Fachwelt1, 2 einig: Es war Marin le Bourgeoys aus dem kleinen Dorf Lisieux in der Normandie, Frankreich. Ein einfacher, aber genialer Handwerker und Erfinder auf verschiedenen Gebieten. Nach 1550 geboren, stammte er aus einer tüchtigen Handwerkerfamilie aus Schlossern, Uhrmachern und Büchsenmachern. Im Laufe seines Lebens war er selbst Büchsenmacher, Maler, Bildhauer und Musikinstrumentemacher, er erfand Planetarien und vieles mehr. Im Jahre 1589 ernannte ihn der Gouverneur der Normandie zu seinem offiziellen Maler, 1598 wurde er zum Kammerherrn König Heinrichs IV. berufen und 1608 erhielt er vom König eine eigene Wohnung in der großen Galerie des Louvre als „des Königs Maler, Kammerherr, Arbeiter an beweglichen Globen, Bildhauer und mechanischer Erfinder“.

Seine Arbeiten als Büchsenmacher umfassten Rad- und Schnappschlosse, Armbrüste und zumindest ein Luftgewehr. Seine bedeutendste Erfindung auf diesem Gebiet war jedoch das „französische Steinschloss“ um 1610, das sich über 200 Jahre lang nur wenig verändert auf der ganzen Welt bewährt hat und erst durch die Hinterlader um 1840 abgelöst wurde. Selbst die Perkussionsschlosse ab 1810 nutzten im Prinzip seine Erfindung. Von den frühesten, für das Arsenal König Ludwigs XIII hergestellten Steinschlossbüchsen sind noch 3 Stück erhalten. Eine davon wurde in den 1970er Jahren für 125.000 Pfund Sterling versteigert.


Die hier gezeigten Bilder zeigen ein solches (originales) Schloss, bei dem die Vorteile des Schnappschlosses weiter entwickelt sind. Die Batterie ist weiterhin als Deckel ausgeführt, die beim Aufschlag des Hahns aufklappt und den Zündfunken den Weg in die Pulverpfanne freimacht. DieSchlagfläche wurde jetzt jedoch in einem idealen Winkel und leicht gekrümmt zur kreisförmigen Bewegung des Hahns gebracht. Die wesentliche Erfindung bestand aber darin, dass der Hahn nicht mehr nur durch einen Stift arretiert wird, sondern durch eine auf der Innenseite desSchlossblechs angebrachte drehbare „Nuss“, in der zwei Kerben (Rasten) eingeschnitten sind für die Sicherheitsrast und die Rast, die den Hahn in gespannter Position hält. Die Nuss ist in der Studel drehbar gelagert, der Hahn über einen Vierkant fest mit ihr verbunden.

Beim Abziehen schlägt ein Züngel (nicht im Bild) im Gegensatz zu den Schnappschlossen nun senkrecht nach oben an die Abzugsstange, welche die Nussüber die Stangenfeder in der Spannrast festhält. Die Abzugsstange wird nach oben geschlagen und gibt die Nuss frei. Die Schlagfeder kann nun die Nuss mit dem Hahn nach unten drehen und der Hahn schlägt kraftvoll mit dem eingespannten Feuerstein gegen die Batterie.

Das französische Steinschloss hat sich schnell überall verbreitet, man sprach nur noch vom „Steinschloss“ oder auch Flintschloss nach dem englischen Begriff für den Feuerstein: flint. Daraus wurde bald der Begriff „Flinte“ ganz allgemein für Steinschlossgewehre.

Im Laufe der Zeit gab es daran noch Optimierungen, z.B. fügte man für den zivilen Bereich ein Kettenglied zwischen der Schlagfeder und der Nuss ein, um die Reibung zu minimieren und das Schloss somit schneller zu machen, aber im Wesentlichen hatte es seinen höchsten Entwicklungsstand erreicht. Ab dem 17.Jahrhundert wurde das Steinschlossgewehr die Standardwaffe aller europäischer Heere und auch in der privaten Nutzung, zum Beispiel für die Jagd oder für das schon seit dem 15. Jahrhundert bestehende Schützenwesen.

Wenn man über Steinschlosswaffen spricht, wird oft über Fehlzündungen und Zündversagerberichtet. Diese gab und gibt es natürlich, so berichtete Mr. Blanch3 von einem Vergleichsschießen von Steinschlossgewehren mit den neuen Perkussionsgewehren mit dem Forsyth-Schloss (siehe folgende Kapitel) im Jahre 1834, dass bei jeweils 6000 Schuss mit dem Steinschloss 922 (15,4%) Zündversager, beim Forsyth-Flaconschloss aber nur 36 (0,6%) Versager gab.

Trotzdem war zur damaligen Zeit keine andere Feuerwaffe zuverlässiger und robuster. In manchen Gegenden fernab der Zivilisation wie z.B. in den unerschlossenen Weiten Nordamerikas oder in Afrika, wo kein Büchsenmacher oder Händler erreichbar war und man sich selbst behelfen musste, wenn man überleben wollte, wurden Steinschlossbüchsen noch lange verwendet, als es längst schon viel modernere Perkussionsgewehre gab. Denn Flintsteine waren in vielen Gegenden zu finden und konnten mit einiger Erfahrung auch selber geschlagen werden.

Viele berühmte Namen verbinden sich mit der Steinschlossära: Joseph Manton in England zum Beispiel, oder Nicholas Noël Boutet und Jean LePage in Frankreich, die Kuchenreuter in Deutschland und viele andere mehr. Alles begnadete Büchsenmacher, die feinste Waffen in höchster Perfektion herstellten, welche heute noch bei Auktionen Höchstpreise erzielen. Sie waren in ihrer Zeit schon berühmt und belieferten den europäischen Adel, die Fürstenhäuser und wohlhabende Bürger, die sich etwas Besonderes leisten konnten.

Unter den militärischen Steinschlossgewehren waren es zwei,die buchstäblich Geschichte machten. Das von den englischen Soldaten liebevoll „Brown Bess“ genannte, um 1720 eingeführte glattläufige Gewehr Englands im Kaliber 19mm, das gut hundert Jahre auf den Schlachtfeldern von Indien über Europa bis Nordamerika eingesetzt war und so das die halbe Welt umspannende britische Imperium schuf. Mit ihm schlug Sir Arthur Wellesly, der 1. Herzog von Wellington, Kaiser Napoleon I. bei Waterloo, die englischen Truppen führten es in den amerikanischen Freiheitskriegen und bei der Eroberung von Indien. Viele Staaten übernahmen das Gewehr oder bauten es nach.

Die andere, der Brown Bess ebenbürtige Steinschlossmuskete, war die französische „Charleville“. Ebenfalls glattläufig, wie alle Militärmusketen bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts, hatte es schon ein kleineres Kaliber von 17,5mm und war deshalb auch leichter gebaut. Eingeführt wurde es mit dem ersten Modell 1717. Mit ihm eroberte Napoleon I. Europa. Während die Brown Bess im Laufe der Zeit kaum verändert wurde, gab es von dem französischen Modell mehrere Weiterentwicklungen. Am weitesten verbreitete sich schließlich das Modell 1763, das in Charleville, St. Etienne und Maubeuge hergestellt wurde. Dieamerikanische Regierung übernahm die Charleville nach dem Unabhängigkeitskrieg ebenso wie fast alle deutschen Staaten, zumindest als Vorbild für eigene Produktionen.

Eine weitere Erfindung, die mit den Steinschlossmusketen einherging,  betraf das Seitengewehr oder Bajonett. Anfänglich waren dies Spundbajonette, die nichts anderes darstellten als Dolche, die mit ihren kalibergroßen, zylindrischen Griffen einfach in die Mündung der Musketen gesteckt wurden.  Die Bajonette sollten einen großen Nachteil der Musketen beseitigen: Der Musketier hatte nur einen Schuss und brauchte gut 20 Sekunden zum neuen Laden. In dieser Zeit war er wehrlos einem Stoßangriff des Feindes oder der feindlichen Kavallerieausgesetzt. Die Pikeniere der Landsknechte konnten sich mit ihren Spießen dagegen wehren, sich vor allem  die Reiter vom Leibe halten. So versuchte man mit dem Bajonett den Vorteil des Feuergewehrs mit dem der Pike zu verbinden.

Die Spundbajonette konnten dies jedoch noch nicht leisten. Man konnte mit aufgepflanztem Bajonett nicht schießen und sie fielen beim Kampf oft schnell aus der Mündung heraus. So wurden nach und nach neue Entwicklungen bis zum Tüllenbajonett erforderlich. Tüllenbajonette waren abgewinkelte, dreikantig geschliffene, spitzige Stichwaffen, die außen auf die Laufmündung geschoben und dort befestigt wurden. Damit wurde eine Muskete nach dem Schuss zu einer knapp 2m langen Stichwaffe, die sowohl im Nahkampf wie auch zur Abwehr von Reiterangriffen eine brauchbare und gefährliche Waffe wurde. Durch die abgewinkelte Form ließ sich das Gewehr auch im aufgepflanzten Zustand gut laden und abfeuern.

Die verbesserte Zuverlässigkeit des Steinschlosses führte zu vielen, manchmal auch kuriosen Anwendungen im privaten wie im militärischenBereich. Als Beispiel seien die überlangen Vogelflinten genannt, die im Extremfall über 2m lang sein konnten und vorwiegend in England gebraucht wurden. Für Gänse und Enten musste man auf relativ weite Entfernungen präzise schießen und man glaubte, mit solchen Läufen das Pulver besser ausnutzen und die Kugel besser führen zu können. Ein Trugschluss zwar, weil mit der Länge des Laufs ja auch die Reibungsverluste zunehmen, aber man versuchte es eben.

Die Kavallerien erhielten kurze Steinschlosskarabiner, Musketons, die teilweise, wie bei den Kürrasier-Eskadronen der österreichischen Armee zwischen 1759 und 1798, mit trichterförmig aufgeweiteten Mündungen versehen waren. Sie wurden Tromblone genannt. Solche Tromblone wurden auch auf Schiffen und im privaten Bereich zur Verteidigung benutzt. Geladen wurden sie mit Schrot oder gehackten Bleistücken und man glaubte, mit diesen Mündungen eine

größere Streuung auf kurze Distanzen erzielen zu können. Ebenfalls ein Trugschluss, denn die Streuung einer Schusswaffe wird nicht durch eine trichterförmige Mündung, sondern durch einen überkalibrigen, kurzen Lauf beeinflusst, der den Geschossen wenig Führung gibt. Zumindest machten solche großen Mündungen einen mächtigen Eindruck auf die Gegner.2

Für das private Sicherheitsbedürfnis wurden mit dem Steinschloss und der Möglichkeit, diese Waffen kleiner und leichter zu machen, mehr und mehr Pistolen gebaut. Um dieses Sicherheitsbedürfnis zu verstehen, darf man nicht von heutigen Verhältnissen ausgehen. Bis etwa zum 18. Jahrhundert gab es noch keine Polizei in unserem Sinne. In den Großstädten, in abgelegenen Gegenden und auf langen Reisen durch bevölkerungsschwache Gebiete musste man immer mit Überfällen rechnen, besonders wenn man den Eindruck haben konnte, dass hier Beute zu machen war. Schutz hatte man praktisch keinen, außer man war in der Lage, sich zu wehren. Deshalb war es nicht ungewöhnlich für Bürger, die sich das leisten konnten, eine oder ein Paar Pistolen dabei zu haben. Man hatte pro Pistole in der Regel ja nur einenSchuss. Meist waren diese Reisepistolen klein und speziell auf die Verteidigung auf nächste Nähe ausgelegt. Teilweise waren sie noch zusätzlich mit einem kleinen, ausklappbaren Bajonett versehen, das wegen seiner Größe jedoch oft nur zur Drohung dienen konnte.

Das Bild4 zeigt eine solche Pistole mit  einem mittig im Schaft eingelassenen Steinschloss. Es gab sie in vielfältigster Ausführung. Sie waren die Vorläuferder Taschenpistolen mit Perkussionszündung.






 



[1] HaroldL. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991                                                                                                          [2] Jan Durdik / Miroslav Mudra / Miroslav Sada:Alte Handfeuerwaffen, Dausien-Verlag 1980                                                  [3] H.J.Blanch: English Guns andGunmakers, London 1909                                                                                                           [4] http://www.hermann-historica-ohg.de/

Das Duell

Duelle wurden als Ehrenhändel immer schon durchgeführt, seit es Menschen gibt. Nahm man früher Keulen, Messer oder Schwerter, so bevorzugte der Ehrenmann des 17. und 18. Jahrhunderts nun die Feuerwaffe. Wegen der sicheren Funktion war das Steinschloss natürlich die erste Wahl, schließlich wollte man sein Leben nicht wegen eines Versagens seiner Waffe verlieren. Aus diesem Grund wurde gerade für Duellpistolen auf höchste Qualität Wert gelegt, was zur ständigen Verbesserung und weiten Verbreitung vor allem von technisch hochwertigen Pistolen beitrug.

Es gibt viele Schilderungen und Anekdoten über außergewöhnliche Duelle. Dabei gab es durchaus Regeln, die zu beachten waren. Nicht jeder war zum Beispiel „satisfaktionsfähig“. Wäre ein Edelmann des 17./18. Jahrhunderts von einem einfachen Bürger oder Bauern beleidigt worden, hätte er ihn einfach niedergeschossen. Damals duellierten sich nur Adlige, Offiziere und Studenten, die auch das Recht hatten, öffentlich Waffen zu tragen. Später zählten wohlhabende Bürger und Kaufleute ebenfalls als standesgemäß. Aber es ging immer um die verletzte Ehre, die oft schon durch eine abfällige Bemerkung oder Geste, häufig auch durch eine Affäre mit einer verheirateten Frau verursacht war. Es soll dabei Frauen gegeben haben, die sich auf diese Weise ihres Ehemanns entledigt und für eine bessere Partie freigemacht haben sollen.

So ging es beim außergewöhnlichsten Duell der Geschichte auch um eine Frau, als sich Monsieur le Grandpré und Monsieur le Pique mit kurzläufigen Tromblon-Musketen in Paris duellierten. Nicht am Boden, sondern jeder bestieg einen Ballon und als sich in einigen hundert Metern Höhe die Ballons etwa 70 Meter voneinander entfernt hatten, schoss Monsieur le Pique – aber leider daneben! Monsieur le Grandpré hatte mehr Glück mit der unberechenbaren Streuung seines Tromblons, der durchlöcherte Ballon seines Gegners sank immer schneller und stürzte schließlich ab, was Monsieur le Pique leider nicht überlebte.

In einem anderen Fall wird von einem Engländer berichtet, der auf seiner Reise durch Europa zum Duell gefordert wurde. Er stimmte dem zu unter der Bedingung, sich in einem völlig abgedunkelten Saal des Hauses seines Herausforderers mit ihm zu schießen. Da zur Satisfaktion nicht immer unbedingt Blut fließen musste und es häufig völlig ausreichte, sein Leben für seine Ehre aufs Spiel zu setzen, wollte er auch in diesem Falle seinen Gegner nicht töten. Er verursachte ein Geräusch und wartete ab, bis der Herausforderer darauf geschossen hatte, tastete sich dann zum Kamin, um seine Waffe darin sicher abzuschießen – und traf seinen Gegner, der sich darin versteckt hatte.

Duelle konnte man damals nicht einfach ablehnen, auch wenn sie aus noch so nichtigem Anlass heraus gefordert wurden. Es war nicht nur eine Frage der persönlichen, sondern auch der Standesehre.1 Wer zu einem bestimmten Stand gehörte, war nicht nur dazu berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, seine verletzte Ehre entweder durch eine Entschuldigung bei einem leichten Vergehen einzufordern, oder durch ein Duell bei einer schweren Beleidigung wieder herzustellen. Man riskierte sonst, als ehrloser Feigling geächtet und aus seiner Standesgesellschaft ausgeschlossen zu werden.

Zum Ende des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts hatte die Anzahl der Duelle besonders in Frankreich erschreckende Ausmaße angenommen. Von 1594 bis 1610 sollen über 8000 Adlige und Offiziere in Duellen getötet worden sein. Man duellierte sich manchmal wegen Nichtigkeiten. So soll ein neapolitanischer Edelmann 14 Duelle ausgefochten haben, nur um zu beweisen, dass Dante ein größerer Dichter war als Ariost! Auf dem Sterbebett soll er später zugegeben haben, dass er von keinem Dichter jemals ein Werk gelesen habe.2

Dagegen wird die Zahl der Duelle in den Vereinigten Staaten zur Zeit des „Wilden Westens“ in den Wild-West-Filmen stark übertrieben dargestellt: In der gesamten Zeit des „Wilden Westens“ starben weniger Menschen in Revolverduellen als z.B. in der französischen Revolution an einem einzigen Tag.3

Der Ehrbegriff war besonders von Offizieren, auch im Deutschen Reich oder in Österreich-Ungarn, zu beachten. In diesen Staaten war das Offizierkorps besonders mit Adligen durchsetzt und sie riskierten einen unehrenhaften Ausschluss aus dem Korps, wenn sie „nicht das richtige Ehrgefühl“ besaßen. Und das, obwohl Duelle mit tödlichen Waffen spätestens seit dem 19. Jahrhundert praktisch in allen Staaten gesetzlich verboten waren. Nur, der Ehrenkodex stand oft höher als die Gesetze. Militärgerichte waren selbst von hohen Offizieren besetzt und die Strafen, wenn ein Duell überhaupt vor ein Militärgericht kam, waren vergleichsweise milde und auf keinen Fall entehrend. So wurden Duelle, in stark abnehmender Zahl zwar, aber dennoch bis zum Beginn des ersten Weltkriegs durchgeführt.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Duell                                                                                                                                                         [2] HaroldL. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991                                                                                                            [3] H.J. Stammel:Das waren noch Männer, Econ-Verlag 1. Auflage 1970



Das Perkussionsschloss

Das 17., vor allem aber das 18. Jahrhundert kann als das Zeitalter der aufkommenden Naturwissenschaften und der technischen Industrialisierung betrachtet werden. Experimentiert haben die Menschen wohl schon immer, aber dieses Experimentieren ging in dem betrachteten Zeitalter in ein gezieltes Forschen nach den Grundsätzen der Natur über. Man begann wissenschaftlich zu arbeiten, dokumentierte Abläufe, Verfahren und Ergebnisse. Man machte in immer schnellerer Folge Entdeckungen in der Chemie und der Physik, die im Zusammenhang mit den schon seit dem Altertum bekannten Gesetzen der Mathematik immer tiefere Einblicke in die Zusammensetzung der Stoffe und Gesetzmäßigkeiten von technischen Abläufen ermöglichten.

Schon um 1660 wurde in Schriften ein Salz erwähnt, das durch Auflösen von Metallen in Säure entsteht und das explodierte, wenn man darauf schlug. Es wurde knallsaures Salz genannt und damals aus Gold gewonnen.1 Mit solchen Stoffen wurde im 18. Jahrhundert ausgiebig experimentiert, man versuchte sogar, das Schießpulver damit zu ersetzen. Was den Läufen gar nicht gut bekam: sie platzten auf, noch bevor die Kugel aus dem Lauf war. Keiner kam aber auf die Idee, dass man die Salze auch als Zündmittel für die Pulverladung verwenden könnte, auch nicht C. L. Bertholet in Frankreich und E. Howard in England, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit Knallquecksilber experimentierten.

Doch gab es da einen schottischen Landpfarrer namens Alexander John Forsyth, der nicht nur naturwissenschaftlich begabt und an chemischen Experimenten interessiert war, er war auch Jäger und hatte natürlich Steinschlossgewehre. Und er wollte seine Gewehre verbessern, vor allem die Zündung. Bei den Explosionen, die man beim Schlag mit einem Hammer auf diese Salze auslösen konnte, muss er auf die Idee gekommen sein, dass man damit ja auch eine Pulverladung zünden könnte. Und so konstruierte er nach langen Versuchen im Jahre 1805 ein Gewehrschloss, das ohne Feuerstein und Batterie funktionierte: das erste Perkussionsschloss, auf das er im Jahre 1807 ein Patent anmeldete.

Dieses Schloss sah noch anders aus als die heute bekannten Perkussionsschlosse. Es bestand aus einem kleinen, drehbaren Metallfläschchen, das ein Knallsalz oder auch Knallquecksilber aufnahm und durch Drehen eine kleine Menge in einen Kanal freigab, der zum Zündloch des Laufs führte. Durch den Schlag des Hammers auf den Zündstift explodierte das Salz und zündete über ein Zündloch das Pulver im Lauf wie bei einem Flintschloss. Das Fläschchen hatte die Form der damaligen Parfümfläschchen und wurde deshalb auch unter dem Namen Flacon-Schloss bekannt. Das Schloss war unter Jägern schnell beliebt, weil es nun wirklich wasserfest war, allerdings war es auch eine kostspielige Sache: Das Schloss kostete alleine so viel wie eine gute Steinschlossflinte. Außerdem gab es auch Unfälle damit. Wenn z.B. die Abdichtung desZündraums nicht gut gegen den Knallsalzbehälter abgedichtet war, konnte das Fläschchen explodieren.

Das Schloss wurde trotz des Patentschutzes überall von Büchsenmachern aufgenommen, kopiert und auch verändert. Der Franzose Prélat z.B. kopierte stets jedes neue Gewehr auf dem Markt und meldete ein eigenes Patent darauf an.2 Auch der Wiener Büchsenmacher J. Contriner und der Spanier J. Guthierez sowie einige andere bauten das Schloss unter eigenem Namen nach und ließen es sich patentieren.3

Das Prinzip war so gut, dass es beibehalten und schließlich verbessert wurde. Einen wesentlichen Schritt nach vorne machte der englische Büchsenmacher H. Nock im Jahre 1810, indem er Knallsalz zwischen zwei Papierplättchen klebte, wie man es heute noch von den Zündstreifen von Spielzeugpistolen her kennt. Die Kapseln wurden in einen abnehmbaren Einsatz im Hahn gelegt, der auf ein Piston4 schlug und der Zündstrahl dann durch die Pistonbohrung direkt in die Pulverladung im Lauf fiel. Auch wachsüberzogene Zündpillen wurden so verwendet, z.B. von Contriner und von John Manton im Jahre 1816. Viele Pistolen konnte Manton davon aber nicht machen, denn Forsyth verklagte ihn und er musste die Produktion einstellen. Diese Pistolen sind deshalb sehr selten und ein gut bezahlter Leckerbissen für jeden Sammler.

Manton gab jedoch nicht auf, denn darin sah er die Zukunft der Zündsysteme. Er konstruierte ein Zündröhrchen aus Kupfer, in das er die Knallsubstanz einbrachte und  1818 patentieren ließ. Das Prinzip der Zündröhrchen wurde ebenfalls sofort wieder von anderen aufgenommen. Österreich ließ sich unter Umgehung des Manton-Patents nach einer ähnlichen Konstruktion des Feldmarschallleutnants Augustin zuerst einige Jäger- und Kavalleriegewehre, dann Infanterie- Steinschlossmusketen umbauen. Doch diese Konstruktion war unzuverlässig und wurde deshalb nicht weiter verfolgt.

Den Durchbruch brachte dann das Zündhütchen aus Kupfer, in dessen Boden der Zündsatz eingeklebt war, so wie wir ihn heute noch verwenden und wie er auch in ähnlicher Form in den heutigen Metallpatronen zu finden ist. Wer letztendlich der Erfinder dieser Verbesserung des Manton-Röhrchens war, ist kaum zu sagen. Der englische Oberst P. Hawker will die Idee Manton zugetragen haben, der bekannte englische Büchsenmacher J. Egg und auch Forsyths ehemaliger Gehilfe J. Purdey meldeten gleichzeitig diese Erfindung ebenfalls an. Der Engländer J. Shaw will bereits 1814 ein eisernes Zündhütchen erfunden haben, meldete das Patent aber erst 1822 in Amerika an und 1820 meldete auch der dafür schon berüchtigte Franzose Prélat ein Patent darauf an. 1822 erhielt S. Davis ein Patent auf die Zündhütchen in England.3  Es ist natürlich auch möglich, dass mehrere diese Idee der Verbesserung des Manton-Patents gleichzeitig hatten. Das Schloss jedenfalls, nach der auch die Waffen zukünftig genannt wurden, wurde als „Perkussionsschloss“ nach dem englischen Begriff „percussion“ = Stoß, Schlag, bekannt.

Das Perkussionsschloss in einer verbesserten Ausführung mit einem Kettenglied zwischen der Schlagfeder und der Nuss ist hier nochmals dargestellt.

Man sieht die gespannte Schlagfeder, die Nuss mit den zwei Kerben (im Bild greift die Stange in die letzte Kerbe ein) und die Stange, die von der kleinen Stangenfeder angedrückt wird. Das Prinzip der Steuerung des Schlosses über die Nuss und die Stange, das Marin le Bourgeoys um 1600 erfunden hat, wurde vollständig weiter verwendet.

Das Perkussionsschloss hatte damit einen hohen Perfektionsgrad erreicht. Die Zündung des Pulvers erreichte eine Zuverlässigkeit, wie sie nie vorher dagewesen war. Man konnte jetzt auch im strömenden Regen schießen. Die Entwicklung blieb damit jedoch nicht stehen. Es wurde weiter nach Optimierungen gesucht. So war es natürlich umständlich, besonders für große und in der Nervosität des Kampfes zitternde Soldatenfinger, ein kleines Zündhütchen vor jedem Schuss auf das Piston zu stecken. Er musste sie erst aus der Tasche kramen und niemand weiß, wie viele ihm davon einfach aus der Hand gefallen sind, die er im Dreck nicht mehr suchen konnte.

Viele Ideen tauchten noch auf. Der amerikanische Zahnarzt E. Maynard erfand die Zündkapselstreifen, die ebenfalls noch heute in Spielzeugpistolen verwendet werden. Es waren zusammengeklebte Papierstreifen mit einer kleinen Zündmasse in einem bestimmten Abstand dazwischen, die aus einem seitlich angebrachten Behälter beim Spannen des Hahns immer um genau diesen Abstand auf das Piston vorgeschoben wurden. Auch diese Erfindung wurde in verschiedensten Variationen von anderen Büchsenmachern nachgebaut.


Keine dieser weiteren Erfindungen konnte jedoch in der Praxis überleben. Die höchste Entwicklungsstufe der Vorderladerzündung war erreicht. Für die groben Soldatenhände machte man einfach größere Zündhütchen und versah diese mit ausgespreizten Flügeln, damit sie besser handhabbar waren, zusätzlich band man sie mit einem Faden an die Papierpatronen, um sie schneller griffbereit zu haben. Aber das war es dann auch schon.
Das Zündsystem setzte sich sehr schnell im privaten Bereich durch, die Jäger waren begeistert und ließen reihenweise ihre Gewehre auf das neue „chemische“ Schloss umarbeiten. Eine heute noch erhaltene Vielzahl solcher „adaptierter“ Büchsen zeugt davon. Die Militärs erkannten natürlich auch den erheblichen Vorteil dieses Systems, hatten aber das große Problem, dass noch Hunderttausende der Steinschlossmusketen in den Arsenalen eingelagert waren. Diese alle wegzuwerfen und die Armeen komplett mit neuen Gewehren auszurüsten, war schon aus Kostengründen unmöglich. Deshalb begann man damit, nach und nach die Musketen umzuarbeiten und, nachdem ab etwa 1835 eine weitere Neuerung mit verbesserten Langgeschossen bekannt wurde, die glatten Läufe gleich mit Zügen zu versehen.



[1] Samuel Pepys Tagebuch, zitiert in L.W. Steinwedel: Feuerwaffen für Sammler, Motorbuch Verlag, 1980
[2] Harold L. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991
[3] Jan Durdik / Miroslav Mudra / Miroslav Sada: Alte Handfeuerwaffen, Dausien-Verlag 1980
[4] Piston: ein Röhrchen, das an der Pulverkammer des Laufs angeschraubt ist und das Zündhütchen aufnimmt. Es soll den Zündstrahl des Zündhütchens zur Pulverladung leiten.




Die Läufe

Bei den Läufen hatte sich seit Jahrhunderten keine wesentlichen Veränderungen ergeben. Die Kaliber wurden nach und nach kleiner, die Herstellung mit Maschinen industrieller und seit etwa 1500 kannte man gezogene Läufe. Wer diese Erfindung gemacht hat, ist ebenfalls nicht nachgewiesen. Man kann jedoch nach einem Fundstück davon ausgehen, dass die ersten Züge1 im Nürnberger oder Leipziger Raum in einen Lauf geschnitten wurden.

Das Beweisstück ist ein Jagdgewehr des Habsburger Kaisers Maximilian I. mit einem Bronzelauf, in den sein Wappen eingegossen ist. Dieses Wappen führte er ab 1493 als König von Deutschland bis er 1508 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt wurde. In diesen Lauf sind 12 oder 14 Züge in einem leichten Drall2 eingeschnitten (zwei davon sind kaum zu erkennen).3 Weitere Gewehre oder Läufe mit Zügen aus dieser Zeit sind leider bisher nicht gefunden worden, wohl auch deshalb, weil solche Büchsen mit Bronzeläufen sehr teuer und damit selten waren und bei den Handrohren für den militärischen Gebrauch ein glatter Lauf vollkommen ausreichte. Überdies jagte man zu dieser Zeit ohnehin noch bevorzugt mit der Armbrust.

Ob die Büchsenmacher damals schon die physikalischen Hintergründe der Züge kannten, ist ebenso wenig bekannt. Man kannte jedenfalls die stabilisierende Wirkung der Federn, die in einem kleinen Winkel auf den Schäften der Pfeile und der Bolzen der Armbrust angebracht waren und leitete daraus möglicherweise eine ähnliche Wirkung für die Rundkugeln der Büchsen ab.

Die bisher bekannten Züge aus alten Läufen zeigen, dass man ständig am Experimentieren war. Es gab gerade Züge, die parallel zur Laufachse eingeschnitten waren und die bestimmt keine Stabilisierung bewirken konnten. Möglicherweise wollte man damit einfach die lästigen Rückstände des Schwarzpulverabbrands darin aufzunehmen. Oder es war einfach ein nicht erfolgreicher Versuch. Man kennt Läufe mit zwei Zügen und Läufe mit sogenannten Haarzügen, die dicht aneinander gereiht in mehr oder weniger starkem Drall wie Rillen eingeschnitten sind. Züge hatten runde und auch scharfkantige Profile, sie waren flach oder auch tief eingeschnitten, es wurde alles ausprobiert. Im Extremfall sind Läufe und auch Rohre von frühen Vorderladerkanonen bekannt, bei denen die „Bohrung“ des Laufs oder Rohrs wie ein gleichschenkliges Dreieck, sechskantig oder auch herzförmig geschnitten waren. Nicht selten mag wohl auch der Aberglaube, Magie oder Teufelsglaube dahinter stecken, indem man versuchte, mit einem derart geformten Geschoss gleich auch den Teufel mit auf die Reise zum Feind zu schicken.


[1] Züge sind die zur Geschossführung in eine Laufbohrung eingeschnittenen Vertiefungen. Die erhabenen Stellen zwischen den Zügen nennt man Felder.
[2] Der Drall ist die Rotation eines Geschosses um seine Längsachse. Er wird durch den Winkel der Züge zur Laufachse (Laufseele) bestimmt.
[3] Harold L. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991

Die Geschosse

Ganz zu Anfang, so zeigen es uns die Bilder aus dieser Zeit, versuchte man wohl Pfeile und Speere aus den Feuerwaffen zu verschießen. Das ging sicherlich nicht lange, dann nahm man runde Steine und schließlich Bleikugeln, die sich wegen der hohen spezifischen Dichte und ihrer leichten Formbarkeit am besten eigneten. Bleikugeln blieben bei Handfeuerwaffen die erste Wahl bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Diese Kugeln konnte man damals nicht einfach kaufen, denn die Kaliber der Läufe waren sehr unterschiedlich. Es gab ja noch keine Normung. Der Büchsenmacher schmiedete den Lauf und bohrte ihn aus, bis er vollständig glatt war. Das Kaliber ergab sich dadurch von selber. Deshalb gehörte auch zu jedem Gewehr und jeder Pistole eine Kugelzange dazu, mit der die passenden Kugeln gegossen werden konnten. Eine gewisse Vereinheitlichung kam erst im beginnenden 18. Jhdt.

Das Laden des Pulvers aus einer Pulverflasche oder –horn, das Einbringen der Kugel und das Verdämmen der Ladung war eine umständliche Angelegenheit. Deshalb erfand bereits zur Zeit des dreißigjährigen Kriegs  König Gustav II. Adolf von Schweden die Papierpatrone, in der die abgewogene Pulvermenge und die Kugel eingewickelt waren. Jeder Soldat hatte ein Dutzend, später dann mehr, von diesen Patronen in seiner Tasche. Zum Laden riss er mit den Zähnen das Papier auf, schüttete zuerst etwas Pulver auf die Pfanne seines Lunten- oder später Steinschlosses, verschloss die Pfanne und schüttete den Rest dann in den Lauf. Dann stopfte er Kugel samt Papier zur Verdämmung hinterher und stieß alles mit dem Ladestock bis auf die Pulverladung hinunter. Nach Verstauen des Ladestocks war die Arkebuse oder Muskete schussbereit.
Dieses Verfahren wurde im Prinzip so beibehalten bis zur Einführung der Metallpatrone. Es hatte übrigens auch Einfluss auf die Auswahl von Söldnern im dreißigjährigen Krieg und auch später: Mit fehlenden oder beschädigten Schneidezähnen wurde keiner genommen, außer als Spießer oder Pikenier.

Mit diesen Papierpatronen konnte die Lade- und Feuergeschwindigkeit auf drei oder vier Schuss pro Minute erhöht werden, was einen großen taktischen Vorteil bedeutete. Es bedeutete allerdings auch, dass die Kugel nicht stramm im Lauf sitzen konnte. Bei der „Brown Bess“, dem englischen Infanteriegewehr des frühen 18. Jahrhunderts hatte die Kugel einen Durchmesser von etwa 18mm bei einem Laufkaliber von 19,3mm. Bei dem französischen Charleville -Gewehr war der Unterschied nur geringfügig kleiner. Die Trefferwahrscheinlichkeit aus einer solchen Muskete wurde deshalb von einem englischen Colonel Hangar so beschrieben: „ Die Brown Bess trifft einen Mann auf 80 yard (73m), vielleicht sogar auf 100 yard (91m). Ein Soldat, der auf 150 yard (137m) getroffen wird, muss sehr viel Pech haben, vorausgesetzt, man hat auf ihn gezielt. Ich behaupte und vermag es zu beweisen, dass auf 200 Yards (=180m) nie ein Soldat, auf den mit einem gewöhnlichen Gewehr gezielt wurde, getroffen worden ist. Man hätte genauso gut versuchen können, den Mond zu treffen.“1

Ähnlich verhielt es sich mit Pistolen. Um 1840 hatten die Reiter der meisten Staaten ein Paar Pistolen mit Perkussionszündung nebst dem Karabiner, einem kurzläufigen Perkussionsgewehr, jedoch alle mit glattem Lauf. Die Taktik wurde festgelegt, dass beim massierten Angriff einer Eskadron Reiter auf 50m Entfernung – noch im Trab – die Karabiner abzuschießen und dann im vollen Galopp mit vorgestrecktem Säbel zu attackieren war. Bismarck bemerkte dazu einmal:“Die Pistole ist von keiner Wirkung. Sie ist nur Notwaffe im Getümmel“.2 Und so wurde sie auch gebraucht. Hauptsächlich kämpften Reiter mit dem Säbel oder der Lanze.

Obwohl die französische Charleville-Muskete wegen des kleineren Kalibers der Brown Bess ballistisch überlegen war, die Mündungsgeschwindigkeit der Kugel betrug im Mittel 320m/s, fiel diese Kugel aufgrund des hohen Luftreibungsverlustes und der Schwerkraft auf 110m Entfernung um 1,5m gegenüber der Ziellinie.3 Ein wesentlicher Grund für die kurze Kampfentfernung von etwa 50m und der Salventaktik. Ein einzelner Schuss war meist ungefährlich für den Gegner, zumal eine Musketenkugel auf 300m schon nicht mehr tödlich war.

Die Schlachten der Kriege wurden immer sehr genau analysiert, um Erkenntnisse für die Verbesserung der Taktik zu gewinnen. Die Waffen konnten mangels technischer Möglichkeiten über lange Zeit hinweg kaum verbessert werden. Es wurden zudem immer wieder Schießversuche durchgeführt und ausgewertet. Eine dieser Auswertungen soll hier wiedergegeben werden. Es war ein Testschießen in Frankreich um 1800 mit der Charleville-Muskete (Steinschloss) auf verschiedene Distanzen mit aufgelegter Waffe. Es gab folgende Ergebnisse: Auf 150m Entfernung wurde die Höhenstreuung mit 75cm, die Seitenstreuung mit 60cm angegeben. Auf eine Scheibe mit 3m Breite und 1,75m Höhe, die einer Gruppe von 4 Soldaten in der Kampflinie entsprach, schossen geübte Soldaten unter Gefechtsbedingungen mit folgendem Ergebnis:

 Distanz  Trefferanteil
75 m
60%
 150m  40%
 225 m
 25%
 300 m
 20%

Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich um Schießversuche handelte, nicht um realistische Daten aus einer Schlacht. Hier war die Trefferquote wesentlich kleiner wegen der Angst, die jeder Soldat in der Infanterielinie hatte; dem Pulverqualm, der bei Windstille nach der ersten Salve den Feind schon nicht mehr erkennen ließ; wegen der sich bewegenden Ziele, der unvermeidbaren Zündversager durch verschüttetes Pulver oder abgenutzten Feuersteine usw. . Auswertungen von Schlachtergebnissen im 18. Jhdt. ergaben Trefferquoten auch auf kürzeste Distanzen von 20-25%, bei über 100m sank die Trefferwahrscheinlichkeit auf 10% oder darunter.

Gezogene Jägerbüchsen, mit einer Pflasterkugel geladen, waren schon wesentlich präziser. Am 04.Februar 1800 machte „The Honorable Board of Ordnance“, die militärischen Abnahmekommision der Englischen Krone, einen Schießversuch mit verschiedenen Jägerbüchsen, bei denen die Baker Rifle mit einem 75cm langen Lauf und einem Drall von 300cm (a quarter turn in barrel!) am besten abschnitt. Auf 300 yards (274m) wurden 12 Schuss auf eine Scheibe im Durchmesser von 9 Fuß (2,80m) abgegeben. Die Treffer waren in einem Streukreis von ca. 5 Fuß (1,55m).

Die Baker war bei dem Versuch fest eingespannt. Geladen wurde sie mit der gleichen Kugel von 17,4mm Durchmesser wie für eine Muskete und 4 drams Pulver (7,088g = 109.4grain), ein heute für gezogene Gewehre völlig unübliches Kaliber mit großer Pulverladung und ungewöhnlich langem Drall, auf was auch die große Streuung zurück zu führen ist. Solche Büchsen werden heute im Kaliber .54 (13,7mm) oder .58 (14,7mm) originalgetreu nachgebaut mit Dralllängen von 120cm bis 175cm, die in der Lage sind, einen Kreis von 5cm auf 50m mit 15 Schuss 15 mal freihändig stehend zu treffen.

Die Kaliber verringerten sich schnell auf 14,5 bis 15,5 mm. Man lernte durch Experimentieren geeignete Dralllängen kennen und die Treffsicherheit nahm zu. Das Problem des umständlichen Ladens aber blieb.

So erfolgten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts viele Versuche, die Vorteile der Muskete und der Büchse in einem Gewehr zu vereinen, die Büchse sollte so schnell geladen werden können wie das glattläufige Gewehr.

Der französische Leutnant Gustave Delvigne machte um 1828 den Vorschlag, eine geringfügig unterkalibrige Kugel in einen gezogenen Lauf einzuführen und diese dann auf dem engeren Rand der Pulverkammer mit dem eisernen Ladestock so breit zu schlagen, dass sie sich in die Züge quetschte. Das funktionierte zwar, aber die Schussergebnisse ließen wegen der deformierten Kugel doch zu wünschen übrig.

Im Jahr 1832 stellte Carl Berner ein Gewehr mit einer oval geschnittenen Laufbohrung vor, dem ersten Polygonallauf. Die Kugel dazu wurde ebenso oval gegossen und mit einem Pflaster geladen. Das Gewehr schoss sehr präzise, allerdings war es zu umständlich, die Kugel so in den Lauf zu fummeln, dass sie genau passte. Zu leicht zeigten die ovalen „Verdickungen“ einfach nach oben und unten, und jeder Vorteil war dahin.

Einen anderen Vorschlag machte der französische Oberst Thouvenin um 1840. Er brachte in der Mitte der Pulverkammer axial einen zylindrischen Stift an, der ein Stück aus ihr herausragte. Dazu konstruierte er ein Spitzgeschoss mit glattem Boden, ebenfalls leicht unterkalibrig, so dass man es leicht in den gezogenen Lauf einführen konnte. Auch dieses Geschoss wurde dann mit dem Ladestock auf den Dorn geschlagen mit der Absicht, es am Boden aufzuweiten. Das Gewehr schoss gut und wurde, wie auch das Delvigne-Gewehr in der Praxis bei verschiedenen Einheiten getestet.

Der beste Vorschlag allerdings, dieses Problem zu lösen, kam 1848 wieder von Delvigne, nämlich ein zylindrisch/konisches Geschoss zu verwenden, das am Boden ausgehöhlt ist. Der Druck der Pulvergase sollte den Boden aufweiten und in die Züge pressen. Ein Hauptmann der französischen Armee, Claude Étienne Minié, griff die Idee auf und verbesserte das Geschoss, indem er ein eisernes Näpfchen in den Geschossboden einpresste, das der Gasdruck dann noch weiter in den konisch ausgehöhlten Boden des Geschosses hineintrieb und damit aufweitete. Aber noch war es nicht optimal: Das Geschoss war teuer und das Näpfchen fiel manchmal heraus. Manchmal riss es auch schlicht den Kopf des Geschosses ab und die Wandung blieb im Lauf stecken.

In anderen Staaten, z.B. in England und in den Vereinigten Staaten beschäftigte man sich auch schon mit dem Geschoss. Man versuchte es mit einem Buchsbaumpropfen, bis der Amerikaner Henry Burton ein verbessertes Geschoss mit Hohlboden vorstellte, das auch ohne Näpfchen oder Pfropfen auskam. Es war sein Geschoss, aber es wurde unter dem Namen Minié bekannt und sehr schnell in allen Armeen eingeführt.4Es war ideal für Vorderladergewehre. Es konnte leicht geladen werden, leichter und schneller als die Pflasterkugel, es schoss sehr präzise auf Entfernungen, die bisher nicht für möglich gehalten wurden, es hatte als Langgeschoss eine wesentlich bessere Ballistik und Leistung – und es brachte praktisch über Nacht die glattläufigen Musketen in einen gefährlichen Nachteil!

Die Militärs begannen deshalb, einen Teil ihrer Musketen umzurüsten. Für eine komplette Neubewaffung fehlte natürlich in vielen Staaten wieder das Geld. Also wurden teilweise die noch brauchbaren Läufe mit Zügen versehen und nach Möglichkeit auch mit einem Perkussionsschloss. Der Nachteil dabei waren die teilweise übergroßen Kaliber von zwischen 17 und 18mm, die für die neuen Geschosse wenig geeignet waren. Die Soldaten mussten mit den Langgeschossen ja ein Mehrfaches an Gewicht mit sich herum schleppen und die ballistische Leistung war nicht zufriedenstellend.

Außerdem wurden jetzt Visiere, also Kimme und Korn, notwendig, die es ermöglichten, größere Entfernungen einzustellen. Die bisherigen Steinschlossmusketen hatten meist nur ein Korn, aber keine Kimme. Das reichte für das Salvenfeuer in der Linie aus. Zum Zielen war keine Zeit. Das Nachschneiden konnte somit nur ein Kompromiss für wenige Musketen sein.

Bei Büchsen ging man schon am Ende des 18. Jhdt. zu kleineren Kalibern zwischen 14,5 und 15,5mm über. Deshalb waren sie auch gut für das Minié-Geschoss geeignet. Es mussten nur ihre vorher oft starren Visiere gegen verstellbare ausgetauscht werden. Außerdem erhielten sie auch die Perkussionszündung.

Während die europäischen Staaten ihre Musketen bereits umrüsteten, gab die amerikanische Regierung noch 1840 ein neues Steinschlossgewehr, das U.S. Modell 1840, an ihre Armee aus. Diese Fehlentscheidung wurde allerdings schnell mit dem U.S. Modell 1841 korrigiert, das eine Perkussionszündung bekam. Danach wurden kaum noch Steinschlosswaffen für die Armeen gebaut. Es kamen neue Modelle auf den Markt, die auch vom Drall her für Langgeschosse ausgelegt waren. Im Königreich Württemberg war es die 1811 gegründete Königlich Württembergische Gewehrfabrik in Obersdorf, die 1857 ein Modell für die württembergische, badische und hessische Armee herausbrachte. In dieser Manufaktur wurden die Brüder Wilhelm und Paul Mauser später mit ihren Hinterladegewehren berühmt.

Aber das war eigentlich schon zu spät, denn die ersten Hinterlader gab es schon. Dreyses Zündnadelgewehr, ein Gewehr, das anstelle eines hinten fest verschraubten Laufs einen zu öffnenden Verschluss hatte und mit Papierpatronen von hinten geladen werden konnte, wurde bereits ab 1839 unter strengster Geheimhaltung in der preußischen Armee erprobt und in den vierziger Jahren an einzelne Einheiten ausgeliefert.

Das Minié-Geschoss entschied Schlachten. Es warf mit den neuen gezogenen Gewehren die bisherige Taktik der geschlossenen Infanterielinie durch seine gesteigerte Feuerkraft völlig über den Haufen, und tausende von Soldaten, deren alte Generale sich nicht von der Taktik der Steinschlosszeit lösen konnten, bezahlten das mit ihrem Leben. Die Artillerie, die bisher aus einer sicheren Entfernung von 400 – 600m in die feindlichen Reihen schoss und nur die gegnerische Kavallerie und Artillerie fürchten musste, wurde plötzlich aus den aufgelockerten Schützenreihen gezielt bekämpft und musste sich unter hohen Verlusten fluchtartig zurückziehen. Kavallerieattacken liefen schon im Anritt durch die schnell zu ladenden, präzisen Büchsen, die auf große Distanzen trafen, in eine tödliche Wand aus Feuer und Blei. Eine andere Zeit war angebrochen. Die Reiter verloren mehr und mehr ihre frühere Bedeutung und wurden bald nur noch zur Aufklärung und zur Verfolgung eines geschlagenen Gegners eingesetzt. Heute gibt es sie nicht mehr.

Mit den Minié-Geschossen kam auch die Zeit der Langgeschosse, die ballistisch sehr viel bessere Eigenschaften haben als die Rundkugeln. Durch die wesentlich größere Masse beim gleichen Kaliber (Querschnittsbelastung)5 ist der Energieverlust längs der Flugbahn durch den geringeren Luftwiderstand wesentlich niedriger und damit die Energie im Ziel höher. Zum Beispiel hat eine 9mm Bleikugel bei einer Geschwindigkeit von 450m/s etwa einen cw-Wert von 1,1, ein 9mm Rundkopfgeschoss (Luger) mit dem gleichen Querschnitt dagegen nur etwa 0,6.

Ein weiterer Lösungsvorschlag, das Kompressionsgeschoss von Lorenz und von Henry Wilkinson wurde kurz nach dem Minié-Geschoss getestet. Es hatte keinen Hohlboden, sondern dafür tiefer eingekerbte, umlaufende Nuten. Die Idee war, dass der Gasdruck beim Schuss den durch die Nuten geschwächten Querschnitt hinten staucht und so in die Züge drückt. Das funktionierte zwar auch, aber das Minié-Geschoss war dem Kompressionsgeschoss doch überlegen. Das Kompressionsgeschoss konnte sich nicht durchsetzen.



[1] L.W. Steinwedel: Feuerwaffen für Sammler, Motorbuch Verlag, 1980
[2] Bismark: System der Reuterei, Berlin 1822
[3] W.W.Greener: The gun and its development, zitiert in B.P.Hughes: Feuerwaffen Einsatz und Wirkung 1630-1850
[4] Harold L. Peterson: Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991
[5] Die Querschnittsbelastung (Masse/Querschnittsfläche) ist die wichtigste ballistische Kennzahl für ein Geschoss



Vorderlader im Schießsport

In den 1970er Jahren wurde das Vorderladerschießen in Deutschland in die Schießsportdisziplinen des größten deutschen Schützenverbandes, dem Deutschen Schützenbund, DSB, aufgenommen. Auch andere Verbände, wie z.B. der Bund deutscher Sportschützen, BDS und weitere tragen Wettkämpfe mit Vorderladern aus. Es gibt Rundenwettkämpfe in verschiedenen Ligen und Meisterschaften bis zur Weltmeisterschaft. Eine Aufnahme als olympische Disziplin gab es bisher allerdings noch nicht, obwohl die Vorderlader im sportlichen Wettkampf in vielen Ländern dieser Erde geschossen werden.

Die Regeln zu den einzelnen Disziplinen – es gibt allein 11 Kurz- und Langwaffendisziplinen im Vorderladerschießen beim DSB, die zusätzlich noch in Altersklassen und Herren- bzw. /Damenwettbewerbe unterteilt sind – sind genau festgelegt. Zum Beispiel müssen beim DSB die Waffen originalgetreu oder original sein, um moderne Phantasiewaffen auszuschließen und ein Stück Brauchtum zu bewahren.
Geschossen werden die Vorderladerkurzwaffen, das sind Steinschlosspistole, Perkussionspistole und Perkussionsrevolver auf 25m entfernte Scheiben, dieselben Scheiben wie sie z.B. für moderne Sportpistolen vorgeschrieben sind.

Gewehre, das sind glatte Steinschlossmusketen, gezogene Steinschloss- und Perkussionsgewehre werden auf 50m bzw. 100m geschossen. Bis auf die glattläufigen Musketen, die wie ihre Originale als Visierung nur ein Korn, jedoch keine Kimme haben dürfen, werden auch hier die Scheiben der Sportpistole verwendet. Musketen haben größere Scheiben. Mit Gewehren wird liegend oder stehend geschossen, mit Pistolen oder Revolver nur stehend, im einhändigen Anschlag.

Wer nun glaubt, mit den „alten“ Vorderladerwaffen hätte man Streuungen wie mit einer Gießkanne, der sollte wirklich einmal die Gelegenheit nutzen, bei den Württembergischen Meisterschaften, die jedes Jahr im Juni in Böblingen ausgetragen werden, oder bei den Deutschen Meisterschaften in Pforzheim im Juli den Wettkämpfen zu zusehen. Er wird es nicht glauben wollen, wenn ein guter Schütze im Stehendanschlag mit einem Perkussionsgewehr auf 50m nur selten die „10“ verfehlt – und die hat gerade mal 5cm im Durchmesser! Mit bloßem Auge auf diese Entfernung nicht zu erkennen.

Der deutsche Rekord steht beim Perkussionsgewehr übrigens auf 150 von 150 möglichen Ringen, mit 15 Schuss! Fünfzehnmal voll in die „10“ getroffen, wobei es die Vorderladerschützen noch schwerer haben als ihre Sportskameraden mit den Patronenwaffen. Denn bei denen zählt eine „10“ schon, wenn sie nur angekratzt ist. Eine Vorderladerkugel dagegen muss mindestens zur Hälfte in der „10“ einschlagen! Damit wird der Besonderheit beim Vorderladerschießen Rechnung getragen, dass das Kaliber der jeweiligen Waffe früher sehr unterschiedlich war und es somit auch bei heutigen Wettkämpfen nicht eingeschränkt wird. Mit der Regelung „Kugelmitte auf dem Ring“ hat ein großes Kaliber somit keine Vorteile gegenüber einem kleineren Kaliber.

Bei der Perkussionspistole, die auf 25m auf genau dieselbe Scheibe geschossen wird wie mit dem Perkussionsgewehr, steht der deutsche Rekord bei 145 Ringen von 150 möglichen. Mit der Waffe in nur einer Hand wackelts eben doch ein bisschen mehr! Aber hier können wir ein weiteres Phänomen beobachten, das den Schießsport von anderen Sportarten unterscheidet. Dieser Rekord von 145 Ringen wird sowohl in der Schützenklasse (21 – 45 Jahre) als auch von der Altersklasse (46 – 55 Jahre) und von der Seniorenklasse (ab 56 Jahre) gleichermaßen gehalten! Ein Beweis dafür, dass der Schießsport nicht nur von jungen Menschen ausgeübt werden kann, wie dies leider in fast allen anderen Sportarten der Fall ist.

Beim Schießen kommt es eben nicht auf Kraft oder Schnelligkeit an, sondern auf Körperbeherrschung, Konzentrationsfähigkeit und auf gute Nerven. Und da kann ein 65-jähriger mit einem 25-jährigen wohl offensichtlich noch gut mithalten.

 


 

 

Quellverzeichnis

http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Radschlosspistole2.html

http://www.falkfrehn.de/Waffen/luntenschloss.html

http://www.hermann-historica-ohg.de/ allgemeine Übersicht hier unter Online-Kataloge /Schusswaffen aus 5 Jahrhunderten

http://de.wikipedia.org

 

Anschütz, Heinrich: Die Gewehrfabrik in Suhl, Dresden 1811, Nachdruck in der DDR im Auftrag des Waffenmuseums Suhl

Durdik Jan / Miroslav Mudra / Miroslav Sada: Alte Handfeuerwaffen, Dausien-Verlag 1980

Götschmann, Dirk: Die Kuchenreuter und ihre Zeitgenossen, Mittelbayrische Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Regensburg

Götz, Hans-Dieter: Waffenkunde für Sammler – Vom Luntenschloss zum Steinschlossgewehr, Motorbuchverlag Stuttgart

Hughes, B.P.: Feuerwaffen Einsatz und Wirkung 1630-1850, Ott-Verlag. Thun/Schweiz

Kneubuehl, Beat P.: Geschosse – Ballistik, Treffsicherheit, Wirkungsweise, Motorbuch-Verlag 2.Auflage 1998

Meyers Konversationslexikon 1888, dargestellt in     http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/bild/werk/meyers/band/14/seite/0452/meyers_b14_s0452.html

Nibler, Ferdinand: Das Feuerwerkbuch, Übersetzung der Freiburger Handschrift von 1432 ins Neuhochdeutsche.
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Nickel, Helmut: Ullstein Waffenbuch, eine kulturhistorische Waffenkunde, Ullstein-Verlag Frankfurt

Ortenburg, Georg: Buchreihe Heerwesen der Neuzeit, darunter: Waffen der Landsknechte 1500-1650, Waffen der Kabinettskriege 1650-1792, Waffen der Revolutionskriege 1792-1848, Waffen der Einigungskriege 1848-1871, Verlagsgruppe Weltbild

Peterson, Harold L. : Alte Feuerwaffen, Weltbildverlag 1991

Schaal, Dieter: Suhler Feuerwaffen, Militärverlag der DDR

Stammel, H.J.: Das waren noch Männer – Die Cowboys und ihre Welt, Econ-Verlag Düsseldorf

Steinwedel, L. W.: Feuerwaffen für Sammler, Motorbuchverlag Stuttgart